Alle Zeit der Welt

Geschwindigkeit – Begleiterscheinung mit Folgen Foto: Pixabay

Es gibt diese Tage. Die sich ziehen wie Kaugummi. Alles, aber auch alles fällt schwer. Wo ist die Leichtigkeit geblieben? Die Lebendigkeit? Wenn ich aufwache und sich das anfühlt wie ein Hammerschlag. Kurz, heftig und schmerzhaft. Am liebsten liegenbleiben. Decke über den Kopf und hoffen, dass dieser Zustand rasch enden möge. Ein Augenblick, der jedoch Jahre zu dauern scheint. Ich kenne diese Tage. Es gibt sie. Warum?

Vielleicht sind sie ein Hinweis. Eine Mahnung. Mindestens einen Gang rausnehmen. Die Geschwindigkeit drosseln. Es muss keine Vollbremsung sein. Denn Stillstand, also einen kompletten, gibt es nicht. Im Leben existiert nur eine Konstante: Veränderung. Immer. Aber das Tempo – das kann ich oft beeinflussen. Auch in einer Welt, in der vieles schnell erledigt sein soll, in der Zeit Geld ist und in der der Erste, der eine Ziellinie überquert, als Sieger gilt. Aber stimmt das? Wer sagt, dass Schnelligkeit per se ein Erfolgsrezept ist? Ich kann kann auch langsamen Schrittes ans Ziel gelangen. Ganz sicher sogar.

In der Ruhe liegt die Kraft

Vielleicht liegt der indische Freiheitskämpfer und Pazifist Mahatma Gandhi richtig: „Es gibt wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Jetzt, da viele Menschen durch die Pandemie gezwungen sind, das Tempo zu verringern, bekommt so eine Aussage neues Gewicht. Weil vieles anders ist. Geschäfte geschlossen. Kneipen und Kinos dicht. Wenn ich nicht früh morgens eilig den Kaffee hinunterstürzen muss, damit ich die U-Bahn erwische. Um möglichst noch vor Arbeitsbeginn im Büro, am Fließband oder sonst irgendwo zu sein. Abgehetzt, gestresst, genervt – noch bevor das erste Formular bearbeitet ist, sich die

Schon morgens im Volldampfmodus ?

erste Email im Sendemodus befindet oder das x-te Meeting stattfindet. Wie wäre es stattdessen mit Durchatmen. Den Tag entstehen lassen. Mal schauen, was er für mich bereithält. Natürlich gibt es Berufe, die in diesen „anderen“ Zeiten am Anschlag arbeiten, arbeiten müssen. Krankenschwestern, Pfleger, ÄrztInnen, LehrerInnen, Beschäftigte in Supermärkten, Post- und Paketboten, PolizistInnen und viele mehr. Die abends, nach getaner Arbeit kaum mehr zur Ruhe kommen, weil daheim der Nachwuchs versorgt sein will, das Telefonat mit Verwandten wartet und die Wäsche gemacht werden muss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.