Ankunft bei sich selbst

Es herrscht Betrieb

Wir stehen am Gipfelaufbau. Die leichte Kletterei beginnt. Mit Steigeisen habe ich das lange nicht gemacht. Aber nur ein paar Tritte und Meter, dann läuft es. Ringsherum heller Tag. Die umliegenden Berge der Hohen Tauern strahlen im Morgenlicht. Es ist gerade einmal kurz nach sieben Uhr. Quietschend schrill beißen die eisernen Zähne in den kalten Fels. Ich schnaufe, fasse nach oben zum nächsten steinernen Griff. In der Nacht hat es leicht geschneit. Das macht nicht nur die Kraxelei ein bisschen schwieriger, sondern vor allem die Handschuhe nass. Immer wieder schaue ich, genieße die Aussicht.

Erhaben schön

Die Sonne taucht das ganze Massiv in ein warmes Licht. Der Vorgipfel ist in Reichweite. Der Kleinglockner, der Bruder vom Großen…, der noch ein bisschen höher ist. Über einen kleinen, kurzen, schmalen und luftigen Grat geht es hinauf zum höchsten Berg Österreichs. Im Jahr 1800 wurde er erstmals bestiegen. Seither kommen Jahr für Jahr mehr als 5.000 Menschen zum Gipfel. Ein Sehnsuchtsort für viele Kraxler. Und ein passables Geschäft für die Bergführer, Hüttenwirte und Pensionen im Tal. Am Glockner äußere Ruhe zu finden, ist schwierig. Dazu herrscht oft zu viel Betrieb. Wie auf vielen Bergen.

Wenige Höhenmeter. Nochmal zupacken. Mit den Beinen emporstemmen. Schnaufen. Das Gipfelkreuz anfassen. Schwitzen. Schauen. Staunen. Über die Schönheit der Berge, den Weitblick bis nach Slowenien, Italien, Deutschland, grenzenlos… Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Es herrscht freudiges Gemurmel am Gipfel. Kurz auch ausgelassen lärmend. Ich aber bin ruhig, fühle mich reich und dankbar. Dieses (große oder kleine) Abenteuer macht mich zufrieden und glücklich. Das Wort Abenteuer hat seine Wurzeln übrigens im lateinischen „advenire“ und bedeutet soviel wie Ankunft. Ja, ich bin angekommen: oft auf einem Gipfel und somit immer wieder bei mir selbst. In Demut.

(Gipfelbild und Adlersruhe von @piet_flosse Peter Maier)

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