Begegnungen, die bleiben

Irgendwann ist auch die schönste Reise beendet. Meine Zeit in Indien läuft langsam ab. Nur noch wenige Tage, dann bin ich wieder in Deutschland. Abschied von der Wärme, der Sonne, von beeindruckenden Landschaften und vor allem von einer Fülle freundlicher Menschen. Letztlich sind es vor allem die Begegnungen, die im Gedächtnis bleiben.

In der Ruhe liegt die Kraft, um sich zu finden

Es sind diese Bilder, die Frieden vermitteln. In den vergangenen Tagen saß ich zum Sonnenuntergang am Strand von Agonda, im indischen Bundesstaat Goa. Dort traf ich mehrmals auf einen buddhistischen Mönch. Beeindruckend, wie der Mann regungslos auf das Meer sah. Meditierend. Durch so gut wie nichts aus der Ruhe zu bringen. Nicht von den am Strand umherlaufenden Kühen oder von Spaziergängern.

Agonda Beach ist der mit Abstand tierischste Strand meiner Indienreise

Als der Mönch seine Einkehr abgeschlossen hatte, kamen wir ins Gespräch. Gyathso, so sein Name, erzählte, er komme aus Ladakh (Nordindien). „Ich bin seit drei Monaten in Goa in einem Kloster und helfe in einem Krankenhaus aus.“ Er zeigte mir auf seinem Smartphone Bilder aus seiner Heimat. Hohe, schneebedeckte Berge, karge Landschaften und glücklich schauende Menschen. „Ich bin jetzt 60 Jahre alt“, sagte er, „und ich liebe das Meer. Vielleicht schlummert in mir das Wesen eines Fischers.“

Der Fischer arbeitet am großen Wurf

Gyathso war nicht immer Mönch. Mit 14 Jahren heiratete er, wurde mit 17 Vater einer Tochter und ging einem Beamtenjob in der Behörde in seinem Heimatort in Ladakh nach. „Fußball war mein Hobby und Theater habe ich auch leidenschaftlich gerne gespielt.“ Dabei streift er mit seinem Daumen über sein Handy und zeigt mir quasi als Beleg Schwarz-Weiß-Bilder. „Das ist lange her“, seufzt er leise. Mit 30 Jahren änderte sich sein Leben radikal.

Der Mönch, der das Meer liebt.

Er ließ sich scheiden und wandte sich stärker dem Buddhismus zu. Vorausgegangen war ein Treffen mit dem Dalai Lama. War das der Auslöser für seine Veränderung? Gyathso zuckt mit den Achseln, dann lächelt er milde. „Kann sein. Wichtig ist aber, dass ich meinen Weg gefunden habe.“

Der Strand von Agonda ist weitläufig und still

Er atmet tief durch und schaut auf’s Meer. So, als wollte er die salzige Luft noch tiefer inhalieren als sonst. „Vor ein paar Tagen bin ich beim Schwimmen in der Bucht auf einen Delfin gestoßen.“ Ich beglückwünschte ihn zu diesem außergewöhnlichen Treffen. Er schaute mich zufrieden an. Gyathso bedeutet Ozean. „Wenn du nach Ladakh kommst, solltest du mich besuchen. Dann zeige ich dir das Meer aus Gipfeln.“

Gyathso lebt im Jetzt, mit allen Höhen und Tiefen.

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