Begegnungen, die bleiben

Prabhu ist ein ortskundiger Bergführer

Prabhu ist ein eher schmächtiger junger Mann. Wenn er seine Gäste im Basecamp zum Meesappulimala begrüßt, sticht sein gewinnendes Lachen heraus. Die strahlend weißen Zähne glänzen um die Wette. Sympathisch, offen, locker, entspannt. „How are you?“, fragt der 22-Jährige seine Kunden. Das sagt er nicht einfach, er meint es auch so. Er möchte nicht nur wissen, wie es den Menschen geht, er muss es sogar herausfinden. Schließlich arbeitet Prabhu als Bergführer. Seit einem Jahr macht er das. „Glaub‘ mir“, sagt der junge Mann, „in dieser Zeit habe ich schon viel erlebt.“

Ab 2.000 Metern über dem Meer beginnt die Luft, dünner zu werden.

Denn schon im Basecamp, das auf genau 2.000 Metern ü.N.N. liegt, verändert sich einiges. Die Luft wird dünner. „Einige Menschen klagen schon hier über Kopfschmerzen und Übelkeit“, berichtet Prabhu. „Dann kann ich reagieren und gegensteuern.“ Viel Trinken, nur mäßige körperliche Aktivität und nochmals Trinken. Das empfiehlt der Bergfex seinen Gästen dann. „Normalerweise sind sie spätestens am nächsten Tag gut an die Höhenluft angepasst.“

Für Prabhu ist die Höhe kein Problem mehr

Drei bis fünfmal die Woche erklimmt Prabhu den zweithöchsten Berg Südindiens. Der Meesappulimala ist fast 2.700 Meter hoch und oft verhüllen dichte Wolken den Gipfel. Drei bis vier Stunden braucht der Guide bis zur obersten Kuppe und nochmal zwei bis drei zurück. „Manchmal mache ich den Weg auch zweimal am Tag“, sagt Prabhu stolz. „Ich liebe meinen Job.“ Vier Jahre lang studierte er, dann absolvierte er ein Praktikum bei der Forstbehörde in Munnar, schnupperte in die Welt des Bergführens hinein und war sofort infiziert. Im Moment kann er sich keine bessere Arbeit vorstellen.

Mystisch verhüllen Wolken Südindiens zweithöchsten Berg.

„Ich bin in Bewegung, draußen, in der Natur, kann Gästen meine Heimat zeigten, lerne viel, verdiene gut und habe Zeit, um mir meine Zukunft zu überlegen.“ Als er das erzählt, blinzelt Prabhu und grinst ein bisschen verschmitzt. „Außerdem lebt meine Freundin hier, unten im Dorf.“ Läuten da etwa Hochzeitsglocken? Eher schwierig. Denn Prabhu ist Christ, seine Partnerin Hinduistin. „Da gibt es große Widerstände“, sagt er. „Aber die kann man überwinden, wie einen hohen Berg.“

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