Begegnungen, die bleiben

Vom Wilderer zum Wildhüter. Das war Arumugams Weg

Das Bambus-Floß gleitet fast geräuschlos über den Periyar-See. Das Gewässer ist das landschaftliche Herzstück des gleichnamigen Naturschutzgebiets. Es liegt im indischen Bundesstaat Kerala. Am Eingangstor steht in großen Buchstaben „TIGER RESERVE“.  Die größte Raubkatzenart der Erde lebt hier. Ca. 50 Exemplare von „panthera Tigris“ streifen durch den südindischen Dschungel. Und Arumugam, unser Führer, kennt das Gebiet so gut, wie kaum ein anderer.

Arumugam kennt den Dschungel wie seine Westentasche

55 Jahre ist der drahtige Mann alt, Vater, Großvater und eben Wildhüter. Er lebt in der nahgelegenen Stadt Kumily. Arumugam arbeitet als Wildhüter im „Periyar Wildlife Sanctuary“. Das war nicht immer so. „Früher verdiente ich viel Geld als Wilderer“, erzählt der bescheidene Mann. Er machte  Jagd auf Tiger, Elefanten oder andere Tiere.

Im Periyar leben Elefanten, Tiger, Gaur, Affen, Wildschweine und zahlreiche andere Tierarten.

Noch einträglicher aber war das Geschäft mit dem illegalen Handel von Tropenhölzern. „Zimtbäume brachten besonders viel Geld, viel mehr als ich heute verdiene“, schmunzelt Arumugam etwas verschämt. Sein Monatslohn heute: umgerechnet etwa 400 Euro plus Trinkgeld. Mehrmals wurde er früher von der Polizei verhaftet, saß im Knast. Vor 22 Jahren legte die Regierung von Kerala ein neues Programm auf. Es sollte den Wilderern eine legale Zukunft ermöglichen. Sie wurden zu Wildhütern.

Der Fußabdruck eines Tigers beweist, dass die Katze hier umherstreift.

Damit schlug die Regierung mehrere Fliegen mit einer Klappe. Die Männer waren nicht mehr kriminell, bekamen einen regulären Job und die Behörden die besten Naturführer, die man sich vorstellen kann. Niemand kennt den Dschungel besser als sie. Oder weiß, wo man welche Tiere, zu welcher Zeit antrifft. Und so streifen Arumugam und seine Kollegen weiter durch den Wald.  Nur heute zeigt er naturbegeisterten Menschen die Schönheit des Dschungels. Sachkundig, mit Freude und ohne Angst, schon demnächst wieder im Gefängnis zu sitzen. „Seitdem ich als Wildhüter arbeite“, sagt Arumugam, „schlafe ich deutlich besser.“

 

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