Die Tiger von Thekkady

Im Camp und doch in freier Natur

Kunjumon geht voran. Ashi und Arumugam begleiten uns. Wir folgen im Gänsemarsch, aufmerksam nach links, nach rechts schauend. Vielleicht sieht man ja etwas. Einen Tiger, einen Leoparden, einen Elefanten.  Plötzlich bleiben wir stehen. Kunjumon legt den Zeigefinger auf die Lippen. „Seid still, bitte!“ Wir schauen uns fragend an. Dann zeigt unser Guide nach vorne.  Auf der Lichtung steht eine Gruppe großer Tiere.

Gaur sind die größten in Indien lebende Rinderart. Bis zu 2,20m hoch und eine Tonne schwer

„Das sind Gaur“, flüstert Arumugam. Die Kameras klicken. Die Büffel weiden unbeirrt weiter. Von rechts huschen Wildschweine durch die Szenerie. Eine ganze Rotte. Bachen, Keiler und Frischlinge. Deren Ohren wackeln. Grunzen und Schmatzen.

Schwein gehabt…

„Schwein gehabt“, bemerke ich kurz.  Wieder im Wald. Der Boden ist matschig. Unsere Stiefel schmatzen durch den Schlamm. Fast unbemerkt haben wir Besuch bekommen. Blutegel finden überall einen Weg, um sich am Bein oder am Knöchel festzusaugen. „Da hilft nur, die Würmer mit spitzen Fingern abzustreifen“, lacht Desiree. „Die Tierchen sind ganz schön gierig!“

Hier leben also wirklich Tiger

So bekommt unser Streifzug durch den Dschungel eine  neue Bedeutung. Denn eigentlich wollen wir doch Tiger sehen. Wenigstens einen. Kurze Zeit später stapfen wir am Flussbett entlang. Im Schlamm entdecken wir allerlei Spuren. Gaur waren hier, Hirsche, Wildschweine und… .

„Seht ihr die Tatze?“ Kunjumon strahlt. Der Fußabdruck eines Tigers. „Das Jungtier“, sagt er, „war wohl heute früh hier.“

Weltweit gibt es noch etwa 4.000 wildlebende Tiger. Die meisten in Indien.

Viele Tiger hat Kunjumon in seinem Leben schon gesehen. Auch er war früher ein Wilderer, hat – wie Arumugam und die anderen – Tropenholz geschlagen und verkauft. „Aber einen Tiger hätte ich nicht getötet, für kein Geld der Welt“, beteuert der fröhliche Mann. „Den König des Dschungels muss man schützen.“

Tiger bleiben gerne im Verborgenen

Ihre Majestät aber ist scheu. Tiger sind mit ihrem gestreiften Fell perfekt getarnt. Fast lautlos schleichen sie durch das Unterholz. Immer auf der Suche nach etwas Fressbarem. Ihre bevorzugten Beutetiere sind Sambar-Hirsche und Wildschweine. Menschen gehören nicht dazu. „Glaubt mir“, lacht Kunjumon, „ein Tiger hat uns längst im Blick, bevor wir auch nur eine Schwanzspitze von ihm sehen. Normalerweise  lässt er uns in Ruhe.“

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