Die Tiger von Thekkady

Durch Thekkady streifen auch Leoparden. Ich habe leider keinen gesehen.

„Dann kann es passieren, dass sie ein Leopard anfällt“, berichtet Satish. „Vor drei Jahren hatten wir so einen Fall.“ Da verließ ein älterer Herr aus England in der Abenddämmerung das Camp. Nur wenige Meter entfernt vom Lager sprang ein Leopard aus dem Dickicht und fiel den Mann an. Satish rannte mit einem Knüppel zu der Stelle und konnte die Katze vertreiben. Der Gast stand unter Schock und hatte eine tiefe, blutende Wunde. „Wir haben ihn verarztet und am nächsten Tag ins Krankenhaus gebracht.“

Waldelefanten kommen gerne mal dicht an das Camp heran

Die Wildnis kann gefährlich sein. Auf jeden Fall ist sie beeindruckend, beeindruckend schön. Am Tage und in der Nacht. Die Geräusche, das Zirpen der Grillen und die Vogelstimmen lassen mich kaum schlafen. Christine und den anderen geht es nicht anders. Dennoch sind wir am nächsten Morgen fit. Und erstaunt. Arumugam erzählt, dass in der Nacht eine Gruppe Elefanten am Camp gewesen sei. Riesige Dunghaufen liegen vor dem Lager. Am matschigen Ufer des Periyar-Flusses finden sich zahlreiche Fußabdrücke. „Jetzt wisst ihr, warum wir den Graben gebuddelt haben.“

Mit dem Bambusfloß ans andere Ufer

Nach dem Frühstück geht es wieder los. Erst mit dem Bambus-Floß zum anderen Ufer. Dort klauben drei Fischer ihren Fang aus den Netzen. Die Männer gehören zu den Adivasi, zu den Ureinwohnern. Normalerweise leben sie in Kumily, also in der Stadt.

„Aber ich komme zwei- bis dreimal in der Woche zum Fischen hierher“, sagt Perimal. „Den Fang verkaufe ich dann auf dem Markt in Kumily.“ Der 64-Jährige scheint hier das Sagen zu haben. Jedenfalls gibt mir der drahtige Mann bereitwillig Auskunft. „Das ist mein erstes Radio-Interview“, erzählt er. Ja, der Wald gefalle ihm, hier sei er frei. „Aber in der Stadt“, sagt Perimal, „haben mir die Behörden ein Haus gegeben und ein bisschen Land, auf dem ich Pfeffer ernte.“

Mit seinen 64 Jahren ist Perimal noch immer gerne Fischer

Dort hat er sein Auskommen. Der Fischer schaut etwas verunsichert zu Kunjumon und fragt. „Braucht ihr Fisch?“ Der nickt. Wir kaufen einen ganzen Beutel voll für’s Abendessen. 1000 Rupien kostet die Ware, umgerechnet 12 Euro.

Von Kunjumon lasse ich mich gerne verschaukeln

Es geht wieder steil bergauf. Das Grün der Bäume ist üppig. Überall hängen dicke Lianen. Naturschaukeln, die wie riesige Korkenzieher von den Ästen baumeln. Spinnennetze versperren mitunter den Pfad. Und etwa 100 Meter weiter vorne steht erneut ein Gaur. Ein besonders schönes und stattliches Exemplar.

Was die Menschen wohl in unserem Wald wollen?

Neugierig schaut der Büffel in unsere Richtung und verschwindet im Wald. Es fängt zu regnen an. Erst nur ein paar Tropfen, dann schüttet es. Nach nur wenigen Augenblicken sind wir alle durchnässt. „Das ist super“, flachst Kunjumon. „Wenn der Boden nass ist, hört man unsere Schritte nicht so gut. Dann knacken keine Äste und das verscheucht die Tiere nicht.“

Nach dem Regen dampft es…

Der Wildhüter wird recht behalten. Wir stoßen ein weiteres Mal auf eine Gruppe Elefanten, sehen wieder Gaur und Wildschweine. Und plötzlich geht alles ganz schnell. Kunjumon befiehlt uns, stehen zu bleiben. Er winkt Ashi, Arumugam und Satish herbei. Sie flüstern und teilen sich auf. So als wollten sie etwas einkreisen. Es dauert etwa zehn Minuten, bis wir wieder alle beisammenstehen.

Satish ist nicht nur ein toller Erzähler, er liest Spuren wie andere Bücher

„Ich habe einen Tigerschwanz gesehen“, erzählt Kunjumon. „Das Tier ist getürmt.“ Wir schauen uns an. Können wir das glauben? Oder ist das nur ein bisschen Show? Ein besonderer Kick für zahlende Touristen?

Das lassen Tiger übrig, wenn sie Hunger haben

Kurze Zeit später wandern wir wieder über eine Lichtung. Dort wartet die Antwort auf die eben aufgeworfenen Fragen. Im Gras liegen Knochen, Reste eines Kadavers und Fellfetzen. Satish ist sich sicher: „Das war ein Tiger. Einer von den 48 im Park, die nachts auf Jagd gehen. Tagsüber werden wir keinen sehen. Nachts wäre es für uns Menschen aber zu gefährlich.“

„Manchmal sind die Tiger auch dicht am Camp“, fügt Satish hinzu.  „Das kommt aber nur selten vor. “ Wir nicken.  Vermutlich noch seltener, als ein Exemplar von „Panthera tigris“ zu erspähen. Tiger sind scheu und wir nicht enttäuscht. Denn: Man muss nicht alles gesehen haben, um daran zu glauben. Beim nächsten Mal vielleicht. Indien – ich komme wieder. Danke Thekkady!!!

Irgendwann werde ich einen Tiger sehen

Die Tiger-Bilder (und das eine Leoparden-Foto) sind nicht im „Periyar-Tiger-Reserve“ entstanden. Ich habe sie mir aus dem Netz (pixabay) heruntergeladen.

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