Dohlen, Dampf und Dolomiten

Momentaufnahmen

Inzwischen haben wir den Gipfelaufbau erreicht. Es sind nur noch wenige Höhenmeter bis zum Kreuz. Gelegentlich mischen sich sonnige Momente in die wolkigen Abschnitte. Dann schimmern die steilen Wände der Sextener Dolomiten durch. Dampfende Berge… durchzogen vom Gekrächze einiger Bergdohlen. Sie segeln elegant über die Scharten und Spitzen, landen kurz auf einem Felsen und schauen, was von der letzten Brotzeit vielleicht übriggeblieben ist. Dann picken sie rasch danach und erheben sich wieder elegant in die Lüfte. Krächzend, so als wollten sie den Bergsteigern zurufen: „Die wahren Könige der Berge sind wir.“

Alfons, Christof und ich verfolgen das alles mit Freude. Am Gipfelkreuz des Paternkofels beglückwünschen wir uns. „Gut, dass wir das gemacht haben“, lacht Alfons. „Ein Traum.“ Ich nicke, schweige und bringe meine Kamera in Stellung. Denn Christof kraxelt über einen luftigen (kurzen) Grat auf einen kleinen Vorsprung, hebt die Arme und breitet sie aus. Dann streckt er die Finger in die Höhe und ruft nicht wirklich fragend: „Ist schon fein hier?!“ Kein Widerspruch. Nicht mal, als wir an der Drei-Zinnen-Hütte ankommen.

In der Ferne wartet schon die Drei-Zinnen-Hütte

Menschen-Karawanen schieben sich über die gut ausgebauten Wege rund um die drei Säulen, die inzwischen vermutlich jedes Kind schon einmal auf einem Bild gesehen hat. Steinernes Weltnaturerbe sind die „Tre Cime“, wie sie auf Italienisch heißen. Hunderttausende pilgern Jahr für Jahr hierher, um sich diese nicht ganz 3.000 Meter hohen Monumente anzuschauen. „Wenn du Ruhe suchst, bist du hier sicher nicht richtig“, sagt Christof. „Aber als Bergfan sind die Zinnen fast schon ein Muss.“

Akrobatischer Kunstflug am Weltnaturerbe
Gut besucht ist untertrieben

Auch hier kein Widerspruch. Nicht von Alfons, nicht von mir und schon gar nicht von den Dohlen. Sie fliegen hier noch akrobatischer als am Paternkofel. Die schwarzen Vögel krächzen auch lauter und segeln in vollendeter Eleganz am staunenden Publikum vorbei. Im Hintergrund geben die Wolken und der Dunst die Drei Zinnen immer mal wieder für kurze Momente frei. Wie ein Vorhang, der sich in einem großen Theater öffnet.

Schauen und Staunen….

Ein Schauspiel, ein Spektakel, wo du hinschaust. Hinschauen musst. Wie im Theater geht ein leises Raunen durch die Menschenmenge. Kaum jemand nippt noch am Bierglas. Die mit Pasta umwickelten Gabeln bleiben auf halbem Weg zum Mund stecken. Der Espresso wird kalt, das Stück Strudel welk, die Sonnenbrille gelüpft. Mal ungefiltert schauen, ob das Szenario tatsächlich mit den Bildern in den sozialen Netzwerken oder in Magazinen mithalten kann. Nein. Kann es nicht. Es ist noch viel beeindruckender.

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