In „alter“ Frische

Kaum zu fassen: Ich bin drin. Foto von Mirko Röwer

Noch drei weitere Stufen und ich stehe bis zur Hüfte im Wasser. Ich gehe in die Hocke, hole tief Luft, sammele mich, tauche kurz unter, streife die Schwimmbrille über und setze zum Hechtsprung an. Jetzt bin ich drin. Die Atmung will beschleunigen. Doch mein Kopf befiehlt: langsam, gleichmäßig, keine Schnappatmung bitte. Das funktioniert. Das ist es, was mich am Eisschwimmen fasziniert. Kraft der Gedanken kann ich mich und den Körper kontrollieren. Andere sagen dazu vielleicht Meditation. Ich nenne das Lebensfreude.

 

Christof in seinem Element

Inzwischen sind auch Birgit, Mirko und Jürgen im Wasser. Christof schaut noch von außen, vergewissert sich, ob bei allen alles in Ordnung ist. Dann steigt auch er ein und schwimmt auf uns zu. „Jetzt macht jeder das, was geht. Und wir bleiben innerhalb der orangen Bojen.“

Bei mir fängt es an, auf der Haut zu prickeln. Ich schaue auf die Uhr. Die erste Minute ist schon vorbei. Ich überlege. Soll ich raus? Ich bleibe und kraule hinaus zur ersten Boje. Meine Brille läuft voller Wasser. Da war wohl eine Falte in der Gummiabdichtung. Ich richte das, biege ab und schwimme zur nächsten Begrenzung. Sie dümpelt etwa 50 Meter entfernt im leichtwelligen See.

Kreuz und quer im Dreieckskurs

Das Wasser ist glasklar. Ich sehe den Grund. Mit jedem halben Meter tiefer wird das Grün dunkler. Ein Farbschauspiel. Mir ist nicht kalt. Ein Wärmeschub strömt durch meine Schulter- und Brustmuskulatur. Ein Zeichen, dass ich angekommen bin. Im sechs Grad kalten Wasser. So als schwappte mir der See ein fröhliches „Grias di“ entgegen.

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