Jubiläum im jadegrünen Graben

Immer mal wieder muss man den Bach queren

Noch einen kleinen Schluck aus der Wasserflasche, die Rucksäcke geschultert und los geht es. Stramm in Richtung Westen. Der noch breite Weg führt durch Sträucher zum Ufer des Ötscherbaches. Hier wird der Weg zum Pfad. Etwa 20 Meter tiefer rauscht es unablässig.

Das kalte Gebirgswasser geht seiner Berufung nach. So, wie es das seit Tausenden Jahren macht. Schwerstarbeit macht hungrig. Da hilft nur essen. In diesem Fall aber isst der Bach nicht, er frisst sich immer weiter in die Kalkfelsen hinein. Satt sind die Stromschnellen aber noch lange nicht. Wir bleiben stehen. Im Schatten ist es noch recht kühl.

Tosend rauscht der Ötscherbach zur Mündung in die Erlauf hin

Wir atmen die frische, mit Wasser-Tröpfchen durchtränkte Luft und staunen. Schweigend. H20 ist ein toller Bildhauer. Hier ein Zacken, dort ein Türmchen, und dahinten eine ausgewaschene, ausgehobelte, glatte Steinplatte. Allein sich diese Skulpturen anzusehen, lässt den Weg durch den Graben nicht langweilig werden. Man muss nur hingucken, vielleicht auch mal einen Augenblick stehenbleiben. Dann lässt sich hier viel entdecken. Und mit Fantasie entstehen Waldgeister.

Troll mit Sonnenbrille? Nun ja…
Innehalten – und schon wird eine Wanderung zur Entdeckungstour

„Sag mal Inge,“ frage ich. „In diesem Gebiet soll es doch mal einen Bären gegeben haben?“ Meine Freundin nickt. „Ja, das ist aber schon viele Jahre her. Und eigentlich waren es mehrere.“ Gut vorstellbar, dass  Braunbären hier durch die Gegend streiften. Hier gibt es viel Wald und Wild, viele Waldfrüchte, Wurzeln und vor allem vergleichsweise wenige Menschen. Ein ideales Revier für „Ursus arctos“.

Im Ötschergebiet gab es Braunbären – Bildquelle: pixabay

„Wenn ich mich recht entsinne, war das mit dem Bären eine Art Auswilderungsprogramm,“ erinnert sich Inge. Anfang der 1970er Jahre war ein männliches Tier, vermutlich aus Slowenien, nach Niederösterreich gekommen. 70 Jahre, nachdem der letzte Bär in diesem Landstrich abgeschossen worden war.

Das Ötschergebiet ist waldreich und ein gutes Revier für Braunbären

Im Jahr 1989 wurde ein weibliches Tier in den Wäldern ausgesetzt. „Mira“ schien sich wohl zu fühlen, denn schon zwei Jahre später brachte sie drei Junge zur Welt.  Im September 1993 wurde Mira tot aufgefunden. Todesursache? Vermutlich ein Steinschlag. Die drei Jungbären aber überlebten. Allerdings fanden die Bauern, dass sie immer mehr Schäden anrichteten und einige Schafe rissen. Es gab zunehmend Unmut. Seit dem Jahr 2007 haben Experten keine Nachweise mehr für Bären in der Ötscherregion entdeckt. „Niemand weiß genau, was mit den Tieren geschehen ist“, erzählt Inge. „Aber es gibt Vermutungen.“

2 Gedanken zu „Jubiläum im jadegrünen Graben“

  1. Mein lieber Jörg,
    Fein wars nach 10 Jahren Verbundensein wieder dort zu wandern….. Und in unserem Gehen entlang der gurgelnden, manchmal tosenden Erlauf wird wieder einmal klar für mich, wie glücklich ich doch bin, dass 10 Jahre zuvor sich im toten Gebirge unsere Wege gekreuzt haben.
    Lets go on, mein lieber Jörg…. Es wartet noch manches darauf von uns erforscht, begangen, besprochen und vor allem auch belacht zu werden.
    Die Inge halt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.