Kein Platz für Kopfkino

Die ersten Meter sind die schwierigsten

In der Zwischenzeit ist ein Schwanenpaar deutlich nähergekommen. Im Sicherheitsabstand von etwa eineinhalb Metern schauen sie auf diesen Menschen mit seiner blauen Kappe. Ich winke den Schwänen und dem Yoga-Pärchen, stoße mich ab und kraule davon.

Mein lieber Schwan

Am Ufer sitzt in einiger Entfernung ein Angler unter einer Weide. Er winkt. Wir kennen uns schon. Die ersten 30/40 Meter sind die schwierigsten. Für mich jedenfalls. Finde ich meinen Rhythmus, wie fühlt sich das Alsterwasser an, was schwimmt heute im Teich? Fragen, die auf diesen ersten Metern rasch beantwortet sind. Ja, alles passt. Seitdem ich Kaltwasserschwimmen betreibe, bin ich zumindest in meiner eigenen Wahrnehmung noch achtsamer geworden. Jede kleine Veränderung bleibt kaum verborgen. Die Fingerspitzen und Hände spüren das Wasser deutlich intensiver.

Auch wenn es nicht so aussieht: Ich habe viel Spaß:-)

Fühlen sie den Wasserdruck, wie geht es den Füßen, den Armen, dem Rumpf? Wärme strömt wahrnehmbar durch den Körper. Fast schon Hitze. Ein wohliges Gefühl. Das Hirn arbeitet konzentriert auf Hochtouren. Aber anders als im „normalen“ Alltag. Für brutales Kopfkino ist kein Platz. Belastende oder negative Überlegungen haben Sendepause. Depressionen inklusive. Denn die habe ich. Immer wieder. Mal weniger, mal mehr. Hier in der Alster oder in jedem anderen Gewässer nicht. H20 als Antidepressivum? Kaltes Wasser reinigt die Birne, räumt auf und schafft Abstand. Nein, ich stehe nicht neben mir, wie es an Land oder im Stress immer mal wieder der Fall ist. Im Gegenteil. Ich bin bei mir, in meiner emotionalen und gefühlten Mitte. Was für ein Geschenk. „Wäre mal interessant zu erfahren“, frage ich mich gelegentlich, „ob die Wissenschaft die positiven Wirkungen von Kaltwasserschwimmen schon erforscht hat?“ Wenn ja, was führt zu diesen Effekten? Ist es die Bewegung, das hart arbeitende Herzkreislauf-System, die Massagewirkung des Wassers, die mentale Vorfreude auf das Verlassen eines Stimmungstiefs? Eine Art Belohnung? Vermutlich von allem ein bisschen.

Beim Rückenschwimmen taut die Nase auf, in der Alster und anderswo

45 Minuten sind um. Schon. Verblüffend. Kaltes Wasser relativiert offenbar auch das Zeitgefühl. Immer wenn ich Rücken schwimme, scheint mir die Sonne direkt auf die Nase. Ich bekomme eine Ahnung davon, wie sich eine Quarkmaske mit Gurke auf dem Gesicht anfühlen muss. Habe ich noch nie ausprobiert. Wozu auch? Ich schwimme lieber. Nachher rufe ich mal meinen Kumpel an. Der ist Sportmediziner an der Uni. Vielleicht sucht er ein Thema für seine Doktorarbeit.

ACHTUNGGEWINNGEWINNGEWINNGEWINNGEWINNGEWINNGEWINN ACHTUNG

Wer möchte das Kaltwasserschwimmen ausprobieren und traut sich nicht so recht? Kein Problem. Ich helfe und begleite Euch. Voraussetzungen sind ein gültiges ärztliches Attest mit EKG über die Sporttauglichkeit, die Bereitschaft sich auf das Abenteuer auf eigenes Risiko einzulassen und die richtige Antwort auf diese Frage: Ab welcher Wassertemperatur wird Kaltwasserschwimmen zum Eisschwimmen?

a) Ab 10 Grad… b) ab 5 Grad… c) ab 1 Grad…

Lösung per Kommentar schicken und gewinnen. Einsendeschluss ist Sonnabend, der 16. Oktober 2021

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