Nach der Reise ist vor der Reise

Immer wenn ich von einer Reise wieder daheim bin, braucht es eine Weile, bis ich das Erlebte verarbeitet habe. Je länger eine Tour dauerte, umso mehr Zeit benötigt die Nachbereitung. Das hat weniger mit der Vielzahl des Gesehenen zu tun. Vielmehr liegt es daran, dass es mir schwerfällt, mich zunächst wieder im Alltag zurechtzufinden. Erst wenn mir das gelingt, bin ich wieder bereit, neue Pläne zu schmieden. Wohin könnte die nächste Reise gehen, was interessiert mich, wozu habe ich Lust? Dabei hilft mir, so paradox das sein mag, die Erinnerung.

Es ist ein Luxusproblem. Ich weiß. Wochenlang war ich in Indien, Südamerika, Spanien, in der Wüste, den Alpen oder Griechenland unterwegs. Viel Neues habe ich gesehen und meine Neugier befriedigt. Meine Lust am Entdecken. Interessante Menschen durfte ich kennenlernen und deren Geschichten hören. Für mich neue Landschaften sehen, eine andere Kultur erleben, fremde Sprachen, Bräuche, Speisen. Kurz: Ich konnte sehen, wie sich andere Menschen das Leben einrichten. Wie sie mit den Problemen des Alltags kämpfen und doch irgendwie klarkommen.

Anderswo richten sich die Menschen anders ein. Das kann lehrreich sein

Ich habe erlebt, wie gut es mir tut, einfach in den Tag hineinzuleben. Von nichts getrieben zu sein. Mir so wichtige Fragen zu stellen, ob ich morgens oder abends schwimmen möchte. Welchen Berg erklimme ich heute?

Welcher Gipfel soll es denn heute sein?

Die Dinge also anzunehmen, wie sie gerade sind. Im Jetzt zu sein. Nicht im Morgen. Selten im Gestern. Der Augenblick zählt. So wie die Gegenwart für die Menschen in Indien und an anderen Orten dieser Erde das Maß der Dinge zu sein scheint.

Der Augenblick zählt

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