Sanft geschwungen, fast lieblich

„Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“ (Friedrich Nietzsche, deutscher Philosoph)

Wind haucht fast zärtlich über das Land. Die Halme des Schilfs biegen sich leicht. Es raschelt ein wenig, wie ein Windspiel klingt das. Christopher Puntigam steht am Eingang zum Slow Trail rund um den Pressegger See. Hermagor liegt quasi nebenan. Und der junge Mann vom Tourismusbüro erwartet uns. Mit ein bisschen Stolz erzählt er von der Besonderheit, die der Weg rund um Kärntens neuntgrößten See zu bieten hat. „Ja, wir haben hier das größte Schilfgebiet in Kärnten und das zweitgrößte in Österreich.“ Das garantiert eine lebendige Flora und Fauna.

Christopher Puntigam wirbt für sanften Tourismus

12 Fischarten leben im Pressegger See. Von Aitel über Hecht und Rotfeder bis hin zum Zander. Und auch der Edelkrebs ist hier zu finden. An Land, in den Schilfbeständen, brüten zahlreiche Vögel: Von Aschkopf-Schafstelze über Zwerg-Rohrdommel bis hin zum sehr seltenen Tüpfelsumpfhuhn. Links und rechts des Weges recken sich die Schilfhalme in den wolkigen Himmel. Es blubbert ein bisschen. Am Horizont leuchten die Berge. Im Südwesten die Sonnenalpe und das Nassfeld. Die Grenze zu Italien ist nah. Im Norden die Spitz-Egelgruppe. Wir sind im Gailtal und schlendern um den See. Elisabeth Unterweger hat ihre morgendliche Runde schon hinter sich und kommt uns entgegen. Die junge sportliche Frau ist Yoga-Lehrerin. Sie liebt diesen Ort, an dem sie sehr oft ihre Übungen macht. Nicht selten mit anderen Menschen, vor allem mit anderen Frauen, aber auch mit Kindern und Jugendlichen. Elisabeth braucht das: „Als Kontrapunkt zur Schnelllebigkeit.“

Gehen, Gailtal und Gelassenheit

Und deshalb hat sich Elisabeth zusätzlich zur Bergwanderführerin ausbilden lassen. „Ich liebe die Felsen, den Stein, die Ruhe und die Weitsicht.“ Inzwischen haben wir die andere Seite des Pressegger Sees erreicht. An den Hauswänden sind die Hausnummern zu lesen und ein Straßenschild: Do ist’s schön. So heißt die Straße. Wer wollte widersprechen. Christopher Puntigam, der junge sportliche Mann aus dem Tourismus-Büro, sicher nicht.

Kein Einspruch

Er kommt von hier. Er mag seine Heimat. In die große weite Welt zieht es ihn vorerst nicht. Der begeisterte Skitourengeher, Läufer und Mountainbiker schätzt das, was er vor der Haustür hat. Und Christopher weiß, dass Menschen von überall hierherkommen. Auch, um den Slow Trail rund um den Pressegger See kennenzulernen.  Zu sehen, was diesen Pfad ausmacht und auf das zu achten, was man/frau am Wegesrand entdeckt. Das Schilf, den See, die paar kleinen Boote, den gurgelnden Lauf vom Pressegger-Seebach… und dann- bei genauer Betrachtung – sogar der Blick nach Osteuropa… .“Zu Ende gedacht, kannst du von hier aus übers Wasser bis ins Schwarze Meer“, flunkert Christopher Puntigam. „Das wäre mal eine coole Sache.“ Aber nur für sich, ohne Tamtam, ohne Krach, ohne Lärm. So eine Art „Flow-Slow Trail“.

„Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“ 

Über die Gail, in die Drau, in die Donau bis ins Schwarze Meer

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