Sanft geschwungen, fast lieblich

Schöner geht es kaum

Ein voller Terminkalender ist noch lange kein erfülltes Leben.“ (Kurt Tucholsky, deutscher Schriftsteller)

Das Südufer liegt genau auf der anderen Seite des Millstätter Sees. Aber genau da möchten wir hin. Zum Slow Trail, einem der jüngsten Pfade in der Region um Kärntens zweitgrößten und zugleich tiefsten See. Dunkelblau leuchtet der alpine „Fjord“ in der Morgensonne. „Die Seenixe“ heißt uns willkommen. Kapitän Peter Heilinger ist schon an Bord seines neuen Schiffes. Seit 35 Jahren fährt der Mann mit den grau-weißen Haaren „zur See“. Seit 2012 auf seinem Heimatgewässer, dem Millstätter See. „Aus Leidenschaft,“ wie er sagt. „Das ist eine Art Berufung.“

Wir sind nicht alleine auf dem Elektro-Boot. Einige andere Menschen wollen auch rüber ans Südufer. Leises Gemurmel an Bord. Fast geräuschlos gleitet die „Seenixe“ für ein paar Minuten über den See. Mit aller Ruhe und mit großer Routine steuert Schiffsführer Heilinger das Boot ans Ufer. Auch für ihn ist das eine Herausforderung, denn die „Nixe“ ist noch relativ neu. „Da muss ich schon ein bisschen schauen. Ich bin vorsichtig wie bei einer Frau.“

„Slow Flow Boat – Trail“ am Südufer des Millstätter Sees

Die Seenixe schaukelt leicht, als wir von Bord gehen. In einer guten Stunde holt uns Peter Heilinger wieder ab. So haben wir es ausgemacht. Am Ufer wartet schon Stefan Brandlehner. Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes am Millstätter See. Als gebürtiger Salzburger lebt er noch nicht so lange in Kärnten. Aber das Konzept der Slow Trails hat der 46-Jährige gerne aufgegriffen. „Die Idee, die dahinter steht, passt voll in diese schnelllebige Zeit. Wir brauchen doch Oasen der Ruhe.“

Ein paar Schritte nur: Und schon liegt zwischen uns dem See ein schmaler Grüngürtel. Durch die Büsche schimmert das Blau des Wassers. Schmetterlinge und Hummeln schwirren umher. Ein Bächlein gurgelt sich zum Ufer durch und mündet in dem bis zu 141 Meter tiefen See. Auf dem Grund liegen laut Legende Tausend (lat. milia) Statuen, die dem See den Namen gegeben haben sollen. Tatsächlich ist die Namensherkunft wohl weniger sagenhaft.  Der Name kommt vom Slawischen Mils, was so viel wie Bergbach bedeutet.

1000 Statuen oder 1000 Zuflüsse… tausendfache Entspannung

Keine fünf Kilometer ist der Slow Trail am Südufer lang. Nicht beschwerlich. Aber lehrreich. Etwa 20 sogenannte See-Lehen gibt es hier. Grundstücke, die dem Land Österreich gehören, aber an Pächter vergeben sind. Und die dürfen hier fischen. Seeforellen etwa. Wie am Brugger-Haus, dem heutigen Fischereimuseum in Seeboden. Dort findet man auch mehr zur Geschichte des Sees, der Fischerei und den Räuchereien. Von Rauch und Qualm ist auf dem Slow Trail aber bestimmt nichts zu sehen. Spätestens seit mit der „See-Nixe“ ein Elektro-Boot im Einsatz ist. Und von Peter Heilinger als „Kapitän“ sicher und mit großer Routine von A nach B, von B nach A und wieder von A nach B gesteuert wird. Ohne Stress. Ohne Zeitdruck. Aber mit großer Freude.

Ein voller Terminkalender ist noch lange kein erfülltes Leben.“ 

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