Sehnsucht nach dem Seelenretter

Mit Fang zurück in den Hafen

Zwei Fischkutter kreuzen unseren Weg. An Bord der nächtliche Fang. Etliche Männer stehen auf dem Deck, einige sitzen auch auf den Masten und winken uns zu. Nach ein paar Minuten liegt das Ufer schon in weiter Ferne und der Motor stoppt. „Wenn wir Glück haben, sehen wir schon hier die ersten Delfine“, flüstert Radjesh in indischem Englisch. Das Boot schaukelt, wir schweigen. Ich schaue gespannt auf das glitzernde Wasser. Die Luft schmeckt salzig. Aber kein Delfin.

Ist das ein Stück Treibholz oder…?

Also weiter hinaus, Richtung Nordwesten. Am Bootsausleger schäumt das Wasser. Die Gischt spritzt über den Bug. „Links“, ruft Radjesh. „Da war eine Flosse.“ Ich habe sie nicht gesehen. Meine Begleiter drosseln den Motor. Wir tuckern über das Wasser, leicht schwankend. Aufmerksam, ja, auch ein bisschen aufgeregt, gucke ich auf’s Meer.

Die Schwanzflosse ist im Kasten

In etwa 100 Meter Entfernung sehe ich eine Flosse. Graubraun schneidet sie durch das Wasser. Nur für einen ganz kurzen Augenblick. Zu kurz, um ein Foto zu schießen. Ich stelle den Modus an meiner Kamera von Einzelbild auf Serie um. Nur so, denke ich, habe ich eine Chance auf ein Foto. Und wieder kräuselt sich das Wasser. Jetzt bin ich schneller, drücke auf den Auslöser und es macht click,click,click,click. Kontrolle: Yeah, ich habe eine markante Schwanzflosse erwischt. Sogar halbwegs scharf.

Wir fahren noch ein Stück weiter. Ich höre ein kurzes Zischen, sehe eine Minifontäne und wieder lässt sich ein Delfin blicken. Viele Geschichten ranken sich um diese Meeressäuger. Sie sollen Schiffbrüchige gerettet haben. Die griechische Göttin Demeter reitet auf Delfinen. In den Mythen von Griechen und Römern begleiten Delfine die Seelen der Toten zur Insel der Seligen. Und für die Hippies der 60er und 70er Jahre ist der Delfin ebenfalls ein wichtiges Symbol des Friedens.

Sonnenuntergänge in Goa strahlen Frieden aus

Für mich sind die Tiere einfach ein Zeichen der Lebensfreude. Delfine sorgen für gute Laune. Diese Wasserbewohner in Freiheit zu sehen, war ein lang gehegter Wunsch. Ich bin zufrieden. So, als wäre ich wieder länger im Wasser umhergeschwommen. Angstfrei und achtsam. Denn hier gibt es Delfine. Und die retten Seelen.  Magische Momente!

Magische Momente für die Zufriedenheit

2 Gedanken zu „Sehnsucht nach dem Seelenretter“

  1. Sehr schöne Geschichte, gefällt mir sehr gut. Für unkundige Segler ist die Beschreibung „manche saßen AUF den Masten“, vielleicht ein wenig irreführend. 3 km sind ja eine ganz schöne Strecke, nichts für mich. Ich paddle lieber in unserem Kaifu, wo ich die Kacheln sehen kann.

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