Vermis montibus

Langsam gehen wir weiter. Vorsichtig. Ein Drittel der heutigen Etappe haben wir hinter uns, als wir die Feldalm erreichen. Erste längere Pause. Ich erkundige mich erneut. „Was macht dein Fuß?“ „Naja, es geht.“ „Bitte Christine, sei ehrlich. Hier können wir noch relativ problemlos ins Tal absteigen. Später wird es deutlich schwieriger.“

Meine Partnerin überlegt. „Ich weiß nicht.“ Ich zücke die Wanderkarte und zeige ihr, wo wir uns befinden. Sechs Stunden Fußmarsch liegen noch vor uns. „Schatz, ich glaube, es ist besser abzusteigen. Der weitere Weg wäre eine Tortur. Das muss nicht sein. Und die Wettervorhersage ist auch nicht gerade toll.“

Schon am nächsten Tag kehrt Winter ein, dabei hat der Herbst noch nicht richtig begonnen

Christine ist den Tränen nah. Sie ringt mit sich, geht zwei Schritte und setzt sich in die Wiese. Vor uns grasen die Kühe und bimmeln mit ihren Glocken um die Wette. „Du hast recht“, lass uns abbrechen. So ein Mist“, sagt Christine. Ich merke, dass ihr das schwerfällt.

Auf Adlers Schwinge durch’s Zillertal? Schön wäre es gewesen. Aber auch der Wurm will leben

„Glaub mir, ist besser so“, stelle ich fest. Irgendwie scheint der Wurm drin zu sein, in dieser Tour. „Aber auch Würmer haben eine Daseinsberechtigung.“ Christine lächelt. „Stimmt, nennen wir ihn Vermis montibus – der Bergwurm.“

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