Weißer Adler auf weißem Grund

Es tröpfelt, gurgelt, blubbert. Das Eis auf dem Brunnen knackt und knistert. Leise rinnt Wasser aus dem Schlauch in den Trog. Blubb, blubb. Die Sonne hat schon Kraft. Verhalten zwar, aber immerhin. Monate ist es her, dass Licht diese Wärme verströmte. Hier im Villgratental, wo Österreich an Italien grenzt und Südtirol nur einen Steinwurf entfernt liegt, ist der Winter besonders lang. Doch jetzt kommt der Frühling. Ich rieche ihn schon.

Noch dauert es ein bisschen bis der Frühling da ist

„Sechs bis sieben Monate dauert hier der Winter“, sagt Benjamin Schaller.  Er ist Bauer und lebt in Kalkstein, im letzten Örtchen im Osttiroler Villgratental. „Ich kann keinen Schnee mehr sehen“, gibt Schaller freimütig zu. Doch er muss sich gedulden. Noch steckt das Villgratental im Winterkleid. Die Hänge sind weiß, erst am Vorabend hat es erneut kräftig geschneit. Zehn Zentimeter Neuschnee. „Da kann man nichts machen“, seufzt Bauer Schaller und verschwindet im Heustadel. „Gut, dass wir für unsere Tiere noch Vorräte haben.“

Adolf Schaller ist mit seinen 79 Jahren noch voll dabei

Unten im Stall stehen 16 Kühe. Und Schallers Vater Adolf. Der 79-Jährige hat die Melkmaschine angeworfen. Ich stehe neben ihm. „20 Liter geben die am Tag“, lacht der rüstige alte Mann. Dann nimmt er den Wasserschlauch und spritzt die Melkstelle sauber. „Als ich den Hof meinem Sohn Benjamin übergeben habe, war noch vieles anders. Die Arbeitsweise hat sich schon verändert in all den Jahren.“ Trotz aller Technik, die in den Ställen Einzug gehalten hat, gibt es noch immer viel Handarbeit.

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