Weißer Adler auf weißem Grund

Sicht nach Süden von Innervillgraten aus

Nebengipfel. Davon gibt es im Villgratental jede Menge. Deshalb ist die Region Schetts Sehnsuchtsort geblieben, gerade als er oder weil er als Umwelttechniker weltweit unterwegs war. „Da haben mich Berge und Landschaften immer wieder an meine Heimat erinnert“, philosophiert Schett. „Hier habe ich offenbar ganz lange Wurzeln“. Verankerungen, die er Gästen gerne zeigt. Am liebsten auf Skiern. Und wenn er nicht kann, dann organisiert Schett einen anderen Führer.

Johannes (Hannes) Webhofer ist so einer. Der Bergführer will mich heute mitnehmen auf eine kleine einfache Skitour. Für mich als spätberufenen Skifahrer ist das eine Premiere. Aufsteigen und Abfahren durchs freie Gelände. Treffpunkt auf dem Parkplatz vor dem Kirchlein Maria Schnee in Kalkstein.

Am Ende des Tals: Maria Schnee – Im Winter ist klar, warum die Kirche so heißt

„Grias di“, begrüßt mich Hannes. „Hast Du alles dabei?“ „Ich denke schon“, lautet meine Antwort. Schnell sind die Skier präpariert. Felle drunter, Lawinenpiepser umgebunden, Mütze auf, Rucksack geschultert und Sonnenbrille auf, obwohl die Sonne sich hinter einer dicken Wolken- und Nebeldecke verbirgt.

Gute Sicht? Fehlanzeige. Vielmehr schützt die Brille vor dem vielen Weiß, das dennoch blendet. „Schneeblindheit ist kein Spaß“, flunkert Hannes. „Auch an der Pürglersgungge nicht.“ Pürglersgungge? „Das heißt so viel wie Bürgers kleiner Berg. „Also auf zum weißen Adler auf weißem Grund“, scherze ich.

Weißer Adler – kaum Sicht

Dieser Gipfel mit 2.500 Metern über dem Meer ist unser Ziel. Zweieinhalb Stunden Aufstieg und deutlich schneller wieder hinab, lautet der Plan. Langsam setzen wir uns in Bewegung. In kleinen Schritten bleiben die Bretter schön am Boden. Bloß nicht jedes Mal anheben. „Das wäre viel zu anstrengend“, rät Hannes. Ringsherum türmt sich der Schnee meterhoch. Nur das Rauschen des Alfenbaches ist zu hören. Wir passieren die Alfenalm. Eine Gruppe alter Holzhäuser und Hütten.

Fenster lassen blicke nach innen und außen zu. Auf der Alfenalm und im Giatlahaus

Heidi-Romantik pur. Benjamin Schaller, der junge Bauer aus Kalkstein, hat an diesem Fleckchen auch schon Hand angelegt und eine Hütte liebevoll restauriert. Urlauber aus ganz Europa quartieren sich hier ein, um Ruhe zu finden und die Natur der Villgrater Berge zu genießen. Im Sommer wandernd, im Winter als Ausgangsort für ausgedehnte Skitouren oder Schneeschuhwanderungen. Weitab von städtischer Hektik oder beruflichem Alltagsstress.

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