Weißer Adler auf weißem Grund

Da geht es lang

Leise gleiten wir an der Alfenalm vorbei. An einer Weggabelung bleiben wir kurz stehen, ziehen unsere dicken Jacken aus. Die wenigen Meter haben uns bereits auf Betriebstemperatur gebracht. Erste Schweißperlen bilden sich auf der Stirn. „Wir folgen dem Bach, erst einmal weiter Richtung Pfannhorn“, gibt Hannes den weiteren Weg vor. Ich nicke stumm und nehme einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Im Sommer bin ich hier schon einmal gewesen. „Im Winter, mit all dem Schnee, sieht das hier völlig anders aus“, gestehe ich Hannes. An uns zieht eine größere Gruppe älterer Herrschaften vorbei. Ebenfalls auf Skiern unterwegs.

Auch wir steigen weiter auf. Nicht sonderlich schnell. Dafür aber mit dem Blick für die kleinen Dinge am Wegesrand. Ein Bäumchen, ein Tannen-Zäpfchen, ein Schildchen. Bis zur nächsten Wegegabelung. Dort steht im Schnee versunken ein kleiner Heustadel.

„Hätten wir noch mehr Neuschnee gehabt und stärkeren Wind, dann wäre dieser Hang ein ziemlich stark Lawinen gefährdeter“, erklärt Hannes. „Aber heute können wir hier kurz stehen bleiben.“ Im Sommer ist diese Alm bewirtschaftet, Kühe und Schafe grasen hier. Ganz früher, bevor der Mensch ins Tal kam, war das Wald, dichter Fichtenwald. „Große Teile dieser Gegend sind Kulturlandschaft“, merkt Hannes an. „Von Menschenhand geprägt und über Jahrhunderte der Natur abgetrotzt.“

Von Almen und Weiden ist derzeit nichts zu sehen

Heute holt sich die Natur das Gelände wieder zurück. Denn es gibt auch im Villgratental immer weniger Bauern, die die Mühe auf sich nehmen, das Land, die Wiesen, Weiden und Almen zu pflegen. Es lohnt sich finanziell eben kaum noch. „In anderen Gegenden gibt es deshalb schon kaum mehr Almwirtschaft“, hatte mir Benjamin Schaller erzählt. Für ihn käme Aufgeben nicht in die Tüte. „Ich wollte Bauer werden und will es bleiben. Auch wenn ich vielleicht nicht so viel Geld verdiene.“

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