Weißer Adler auf weißem Grund

Da haben wir die Gruppe ja wieder

Hannes und ich ziehen weiter. Etwas steiler in sanften Kehren geht es hinauf. Bis zum nächsten Stadel. Dort treffen wir auch wieder auf die Seniorengruppe, die uns vorhin überholt hatte. Die Herrschaften machen Pause und werden dann von hieraus wieder hinabfahren. Wir dagegen gehen weiter.

Der Schweiß rinnt mir von der Stirn, mein Hemd ist klitschnass. Auch Hannes schnauft. „Puh, mir ist ganz schön warm.“ Liegt es an den Wolken, die sich für einen kurzen Augenblick zu lichten scheinen? Ist das Sonne? Das war nur eine Idee. Sofort herrscht wieder Nebelsuppe.

Nach weiteren 200 Höhenmetern erreichen wir die alte Zollhütte, die bis in die 1980er Jahre hinein mit österreichischen Grenzsoldaten besetzt war. „Hier gab es Jahrhunderte lang Schmuggler“, berichtet Hannes, der hauptberuflich ebenfalls beim Militär arbeitet. „Damals wurden Kälber, Schafe und Schweine nach Italien gebracht“, schmunzelt der Bergführer. „Retour brachten die Männer dann Zucker oder Kaffee mit.“ Mit dem Wegfall der Grenzen fiel auch der Schmuggel flach. Es lohnte sich nicht mehr.

Obwohl die Sicht mehr als bescheiden ist, hat sich der Weg für mich aber sehr wohl rentiert. Weil das meine erste richtige Skitour ist, ich die Anstrengung in der Natur liebe, es mag, meinen Rhythmus zu suchen und zu finden. Und weil es so herrlich still ist. Nicht einmal Wind ist wahrnehmbar. Ich höre nur meine Atmung, spüre meinen Herzschlag und das Gleiten der Ski auf dem Schnee. Als wir oben ankommen, auf dem Pürglersgungge, sehen wir vielleicht 50 Meter weit. Keine anderen Gipfel, keine Weitsicht. Egal.

Freude beim Blick nach innen

Denn der Blick richtet sich nach innen. Ich sehe die Bilder aus dem Tal vom Vortag, Freude, Gelassenheit und Lust auf mehr. Wäre da nicht die Abfahrt durch’s freie Gelände. Das habe ich noch nie gemacht. Ja, mir ist ein wenig mulmig. Schön langsam, sage ich mir. Doch das reicht als Patentrezept nicht aus. Beim Abfahren falle ich ein paar Mal in den Schnee. Komisch: Auf der Piste hatte es gestern noch gut geklappt. Hannes steht neben mir und grinst: „Weil du durch die schlechte Sicht nicht siehst, ob und wohin du fährst, haut es dich hin. Fahr kleine Bögen. Wir schaffen das.“

Als wir unten ankommen, stelle ich fest, dass mich die Abfahrt mehr angestrengt hat als der Aufstieg. Verrückt? Vielleicht. Ich bin müde, aber froh. Das war zwar meine erste Skitour, aber sicher nicht die letzte. Ostern ist nah, der Frühling auch. Und ich freue mich auf’s nächste Mal.

Premiere mit Lust nach Mehr

2 Gedanken zu „Weißer Adler auf weißem Grund“

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