Wo die Freiheit saust und haust

Diese Geschichte beginnt in einer Küche. „Tschitschi“ steht am großen Herd. Im Ofen brennt das Feuer, Hitze steigt auf und auf der eisernen Herdplatte steht eine Pfanne, ein großer Wassertopf und ein kleiner mit dem Fonds. „Tschitschi“ heißt mit bürgerlichem Namen Helmut Tschitschko. „So nennt mich hier aber niemand. Ich bin der Tschitschi!“ Er steht für sein Leben gern in der Küche des Buchsteinhauses, so wie die anderen Männer und Frauen, die ich auf der Hüttenrunde quer durch das Gesäuse getroffen habe. Das „Gseis“, wie die Menschen zu dem Gebiet in den Ennstaler Alpen sagen, ist eine ganz große, auch sagenhafte Wetterküche.

Das Gesäuse ist auch eine Wetterküche
Das Gesäuse ist Wetterküche und Platz für Gaumenfreuden

Hier braut sich öfters etwas zusammen. Die schwüle Hitze drückt, als ich aus dem Bus steige. Endstation Admont. Die Markgemeinde mit ihren rund 5.000 Einwohnern liegt in der Obersteiermark, etwa 20 Kilometer östlich von Liezen, der Bezirkshauptstadt. Schon von weitem sehe ich die Benediktiner-Abtei Admont. Die zwei gut 70 Meter hohen Türme der Stiftskirche St. Blasius ragen in den wolkigen Himmel. Dahinter verstecken sich die anderen zum Teil riesigen Gebäude der Abtei ein bisschen. Hier leben und arbeiten 28 Mönche des Benediktiner-Ordens. „Ora et labora et lege – bete und arbeite und lies“ lautet die Ordensregel. Seit nunmehr 900 Jahren beherzigen die Geistlichen das. Auch ich bin deshalb hier. Zugegeben: weniger zum Beten, aber zum Arbeiten, zum Staunen und zum Lesen.

Die größte Kloster-Bibliothek der Welt im Stift Admont
Die größte Kloster-Bibliothek der Welt im Stift Admont

Mit meinem schweren Bergstiefeln betrete ich das alte Gebäude des Stifts, in dem die legendäre Bibliothek zu finden ist. Im zweiten Obergeschoss. In den langen Fluren hallen meine Schritte wider. Am Ende des Gangs öffne ich die riesige hölzerne Flügeltür. Ein Blick hinein. Ein Kosmos öffnet sich, eine geordnete Welt in Büchern.

Prunkvolle Skulturen und Zehntausende Bücher. Ein Ort zum Staunen.
Prunkvolle Skulpturen und Zehntausende Bücher. Ein Ort zum Staunen.

Die Halle ist 70 Meter lang, 14 Meter breit und bis zu elf Meter hoch. Die große Kuppel mit den blauen und farbenprächtigen Fresken schwebt sogar in fast 13 Metern Höhe über diesem Wissensschatz. Früher wurde der Saal auch als „achtes Weltwunder“ bezeichnet. Die größte Klosterbibliothek ist er bis heute. Allein in der großen Halle stehen 70.000 Bände, fein säuberlich geordnet nach Wissensgebieten. Insgesamt beheimatet die Bibliothek 200.000 Bücher und Handschriften. Viele von ihnen sind so alt, dass sie in gesonderten Archiven aufbewahrt werden. An kaum einem anderen Ort wird besser deutlich: Wissen ist Macht. Ich schaue und staune. Die Zeit verfliegt. Nun ist es zu spät, die gesamte erste Etappe meiner Wanderung durch das Gesäuse komplett zu Fuß anzugehen. Auch, weil die Wolken in der Zwischenzeit noch dicker geworden sind.

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