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Wo die Freiheit saust und haust

Auf ins Gesäuse, zum Klinke-Haus und zur Mödlingerhütte
Auf ins Gesäuse, zum Klinke-Haus und zur Mödlingerhütte

Ich nehme den Bus und fahre einige Kilometer hinauf, zur Haltestelle Siegl-Alm zum Einstieg. Der Wegweiser sagt es: Ich befinde mich auf dem Wanderweg 601 Richtung Oberst Klinke-Hütte. Der Pfad ist mäßig steil und führt durch Wald. Schweiß perlt rasch von der Stirn. Nach gut eineinhalb Stunden erreiche ich am Ende eines Fahrweges das Oberst Klinke-Haus. Es tröpfelt, dennoch mache ich eine kurze Rast, trinke einen Espresso und „quatsche“ ein bisschen mit Hüttenpächterin „Traudi“, Edeltraut Kammerhofer.

„Mein Partner Christian Kraus und ich haben vor knapp zwei Jahren entschieden, das Hüttenleben einfach mal auszuprobieren. Wir haben erst Anfang Mai nach einer langen Wintersaison wieder aufgesperrt.“ „Traudi“ lächelt. „Bislang war uns das Wetter noch nicht so gewogen.“ Wir recht sie hat.

Es beginnt zu regnen. Dann donnert es und der Himmel weint, schluchzt und der Regen durchtränkt den Boden. Rinnsale werden zu Bächen. Und der blaue Tiger, mein treuer Rucksack, klagt nicht eine Silbe. Eine gute Stunde später, völlig durchweicht und klitschnass erreiche ich das Tagesziel. Die Mödlingerhütte. Trocknen, aufwärmen, wohlfühlen und quatschen. So einfach kann es sein. Im Gesäuse, in den Bergen, im Leben. Dankbarkeit. Kaum bin ich da, hört es auf zu schütten.

Die Mödlingerhütte steht auf gut 1.500 Metern über dem Meer auf der  Treffneralm, umrahmt von Wald, Wiesen und felsigen Gipfel-Pyramiden. Die Spitzen des grauweißen Sparafeldes und der Admonter Reichenstein leuchten in diffusem Licht. Östlich davon erhebt sich der große Ödstein. Er funkelt rot in der Abendsonne, obwohl er aus weißem Dachstein-Kalk besteht. Hätte ich mehr Zeit, würde ich wohl seine Spitze besuchen. Eine luftige Kletterei wäre das. Doch jetzt muss ich erst einmal etwas essen. Gehen im Regen macht hungrig.

Wolfgang und Bertrun verbringen ihre erste Saison auf der Mödlingerhütte
Wolfgang und Bertrun verbringen ihre erste Saison auf der Mödlingerhütte

Bertrun Waldhans und Wolfgang Herrmann schwingen in der Mödlingerhütte das Zepter. Im Auftrag von Pächter Annabell und Alfred Stieg, die das Haus erst zu dieser Saison übernommen haben.

Bertrun ist studierte Raumplanerin, Wolfgang gelernter Koch. „Berti“ sagt, „in meinem Beruf habe ich noch keinen Job gefunden. Hier auf der Hütte überbrücke ich die Zeit. Und das macht Spaß.“ Für Wolfgang ist das in der Mödlingerhütte dagegen eine Art Rückkehr.

„Ich habe 13 Jahre lang gar nicht gekocht, zumindest nicht in der Gastronomie.“ Auf Deutsch: Er hatte keine Lust mehr auf den Stress einer gewerblichen Küche, immer das kochen, was andere von ihm verlangten, mit viel Schi Schi. „Das war nicht ich.“ Dennoch blieben die Herdplatten im Hause Herrmann nicht kalt. Er probierte aus, tüftelte und kochte das, was ihm gefiel. „Dann rief mich Alfred Stieg an und ich sagte zu.“

Seit Mai kocht Wolfgang also wieder. Frisch muss es sein und lecker. „Ich koche ein bisschen wie zu Großmutters Zeiten und verfeinere die Gerichte mit einer mehr oder weniger großen Prise kreativer Gegenwart.“ Er schneidet Zwiebeln. Zack, zack. Ich esse Leberknödel-Suppe. Dazu braucht es Leber, Zwiebeln, viel Majoran, Semmelbrösel, Salz und Pfeffer. Und natürlich eine richtige Rinderbrühe. „Instantpulver aus der Tüte kommt bei mir nicht in den Topf“, schnalzt Wolfgang mit der Zunge. „Und die Kasnocken mache ich dir auch frisch.“

Die Nacht in dem urgemütlichen, holzgetäfelten Zimmer war herrlich still. Ein Blick aus dem Fenster am nächsten Morgen verrät: Das wird ein sonniger Tag. Meine Stiefel sind noch nicht ganz trocken. Zu arg waren das „Gematsche und Geschmatze“ durch die Wälder des Gesäuses.

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