Würste, Weite, Warteschlangen

Alle Wege führen nach Rom, mindestens fünf auf Deutschlands höchsten Berg, auf die Zugspitze. Die darf in meiner Reihe #16Länder16Gipfel natürlich nicht fehlen. Deshalb auf nach Bayern, nach Grainau, ins Zugspitzdorf und hinauf: Auf das Dach der Republik. Allerdings wage ich den Aufstieg von Österreich aus, über das sogenannte Gatterl. Die Zugspitze ist Grenzberg. Viel Tirol, nur ein bisschen Bayern. Das macht aber gar nichts.

Durch das Reintal führt einer der Wege zur Zugspitze

Es ist sicher 15 Jahre her. Da war ich schon einmal hier im fast südlichsten Zipfel Deutschlands. Von Garmisch-Partenkirchen aus ging ich durch das romantisch-idyllische Reintal auf die Zugspitze. Damals wandelte ich auf den Spuren des mutmaßlichen Erstbesteigers des Bergs. Josef Naus hieß er, lebte von 1793 bis 1871 und war ein bayerischer Generalmajor und Vermessungsingenieur. Im Sommer 1820 erhielt der damals 27-Jährige den Auftrag, den „Zugspitz“ zu kartieren. Gemeinsam mit seinem Gehilfen, dem Offiziersburschen Maier und dem Bergführer Johann Georg Tauschl nahm Naus den Gipfel in Angriff. Ein Abenteuer, kaum ahnend, was auf sie zukam. Sie übernachteten in einer kleinen Hütte auf dem Reintalanger, wie Naus später in seinem Tagebuch vermerkte. Obwohl übernachten eher die falsche Formulierung ist:

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Josef Naus als Vermessungsingenieur im Dienste des bayerischen Militärs

„Von Schlaf war keine Rede, ich wurde in der Hirtenhütte von einer Menge Flöhe dergestalt gemartert, dass ich, wachend am Feuer, die halbe Nacht mit Tötung derselben zubringen musste. Endlich retirierte (Anm: zog ich mich zurück, verkroch) ich mich unter freiem Himmel und schützte mich mit dem Regendache vor dem Regen.“

So könnte die Stimmung bei der Erstbesteigung gewesen sein. Aber wer weiß es genau?

Es war an jenem Morgen im August 1820 noch sehr früh, als die drei Männer in Richtung Gipfel losstapften.

„Am 27. August früh 4 Uhr wurde von der verwünschten Flohhütte aufgebrochen und über das Platt und den Schneeferner bis an die Grenze hinter dem Zugspitz, von wo aus man nach Ehrwald, Lermoos etc. hinabsieht, vorgedrungen.“

Schon beim Aufstieg dürfte bei Naus‘ Versuch ein spezielles Wetter geherrscht haben

 Es wird bis zum Mittag dauern, ehe Naus, Maier und Tauschl auf dem Gipfel stehen. Allerdings wehrt die Freude über den Erfolg nicht lange. Ein Unwetter zwingt die Abenteurer zum raschen Abstieg. „Schon nach 5 Minuten wurden wir von einem Donnerwetter mit Schauern und Schneegestöber begrüßt und mussten unter größten Gefahren die Höhe verlassen. Gerade so viel Ausblick gestatteten die einfallenden Wolken, dass ich mich überzeugen konnte, die höchste Spitze erreicht zu haben. Kaum 10 bis 12 Schritte von der Spitze entfernt, betäubten uns ein Blitz und ein zu gleicher Zeit erfolgter Donnerschlag. Derart, dass wir glaubten, alle Berge müssten zusammenstürzen!“  

Auch die Erstbesteiger hätten den Eibsee vielleicht gesehen, wäre da nicht das Unwetter über sie hereingebrochen.

Letztlich gehen Josef Naus, sein Gehilfe Maier und Johann Georg Tauschl als verbriefte Erstbesteiger der Zugspitze in die Alpingeschichte ein. Doch Kartenfunde und andere Überlieferungen lassen vermuten: Schon lange vor dem August 1820 waren wohl Menschen da oben. Hirten, Almhalter, Schmuggler.

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