Würste, Weite, Warteschlangen

Der Weg über das Gatterl ist zumeist keine wirklich alpine Herausforderung. Aber schön!

Denn die Wege über Reintal oder Gatterl sind alles andere als wirklich schwierig. Anstrengend vielleicht, und am Gipfelaufbau ein bisschen fordernd. Aber richtige alpine Herausforderungen findet man eher auf den Wegen über das Höllental, das Schneekar oder – das ist dann sehr luftige Kraxelei – über den spektakulären Jubiläumsgrat. Eine Traumtour, die ich mir im Moment aber nicht zutraue.

Über Grate gehen wäre eine luftige Kletterei

Denn: Mein Knie war durch das im Frühjahr gerissene Kreuzband sechs Monate lang nicht 100%ig einsatzfähig. Durch die zahlreichen Touren im Mittelgebirge auf die #16Länder16Gipfel bin ich jetzt aber wieder sicher, dass ich das Dach Deutschlands problemlos erreiche. Deshalb der Weg über das Gatterl, vom österreichischen Ehrwald aus auf die Zugspitze.

Der Startpunkt ist die Seilbahn zur Ehrwalder Alm. Die Gondeln lasse ich links liegen und stapfe gemütlich los. Das Wetter spielt mit. Sonnenschein, spätsommerlich warm, klare Sicht, kaum Wind. In mir keimt Freude. Das erste Mal seit einigen Monaten bin ich wieder in den geliebten Alpen, in den richtig hohen Bergen. Sie haben mir gefehlt. Ich habe Gänsehaut. Nicht, dass mir die deutschen Mittelgebirge nicht gefallen würden – im Gegenteil. Sie sind toll und haben ihre Reize.

Die Berge haben mich wieder. Oberhalb der Ehrwalder Alm

Aber die Berge der Alpen – das ist für mich noch einmal etwas anderes. Dort fühle ich mich wohl, geborgen, zuhause, obwohl ich dort nie (zumindest erinnere ich mich nicht daran) gelebt habe. Vielleicht in einem früheren Leben?

Noch grasen Kühe auf den Wiesen

Der Weg führt an noch sattgrünen Weiden vorbei, die im Winter als Skipisten dienen. Dann ist hier – vermute ich – deutlich mehr Betrieb als jetzt. Nur vereinzelt sehe ich versprengte Wanderer. Und die Seilbahn-Gondeln, die über den Weg nach oben und unten schweben, sind meist leer. Einige Kühe und Kälber grasen auf den Wiesen. Immer wieder bleibe ich kurz stehen, inhaliere die klare Luft und den Blick. Denn vor und hinter mir baut sich ein zackiges Panorama auf. Die markante Sonnenspitze lockt im Südwesten. Das felsgewordene Dreieck ragt kühn in den blauen Himmel. Immerhin gut 2.400 Meter hoch, gehört sie zur Mieminger Kette. „Da war ich auch noch nicht wirklich“, denke ich und schwöre, „das hole ich nach.“

Hierher kehre ich bestimmt noch einmal zurück.

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