Würste, Weite, Warteschlangen

Raststation und Schlafplatz. Die Knorrhütte

Eine halbe Stunde später erreiche ich die Knorrhütte. Sie ist schon jetzt, am frühen Nachmittag, gut besucht. „Das wird noch voller“, flunkert mir Gernot Auer bei der Anmeldung zu. „Wir sind heute Nacht ausgebucht.“  Gernot ist im zweiten Jahr der Pächter der Hütte, die der Alpenvereinssektion München gehört. Erbaut in den 1850er Jahren und 1855 eröffnet, als Zwischenstation auf dem Weg zum Zugspitz.

Urgemütlich ist die Hütte. Viel Holz, wenig Schnickschnack. Rustikal

„Das ist schon ein besonderes Haus“, sagt Gernot, der ein gebürtiger Pitztaler ist. Sein Vater bewirtschaftet die Höllentalangerhütte, quasi ein paar Kilometer Luftlinie entfernt, schräg gegenüber. „Vermutlich haben wir das Hüttenwesen im Blut“, schmunzelt der 26-Jährige.

Gernot ist Pächter mit guter Laune und dem richtigen Händchen

Gernot jedenfalls mag seinen Job, diesen Platz und seine Mitarbeiter. „Neun Leute sind hier in der Hauptsaison beschäftigt“, erzählt der junge Mann. „Wir haben immer viel zu tun. Langeweile ist für uns ein Fremdwort.“

Vor allem wenn einmal im Monat der Hubschrauber kommt und das Haus mit allem versorgt, was der Hüttenpächter bestellt hat. Bier, Fleisch, Gemüse, Klopapier, Milch, Brot, einfach alles. „Da muss du schon konzentriert sein, wenn du die Liste schreibst. Hast du was vergessen, dauert es vier Wochen bis zur nächsten Lieferung.“

Gernot Auer ist über fast alles im Bilde

Aber das passiert nur äußerst selten in der Saison, die je nach Schneelage Mitte Mai beginnt und am 3. Oktober, am Tag der deutschen Einheit, endet. Während dieser vier Monate bleibt Gernot die meiste Zeit hier oben auf 2.051m ü.N.N. .Vielleicht vier oder fünf Mal geht er dann auf die Zugspitze und fährt von dort aus ins Tal. Er lässt die Hütte ungern allein.

Und wenn so viel los ist wie jetzt im Spätsommer, will Gernot schon gar nicht weg. Das Haus mit gut 110 Schlafplätzen ist komplett belegt. Der Gastronomiebetrieb läuft wie am Schnürchen. Das Personal ist auf Zack. Das Essen und die Getränke kommen prompt. Bergwanderer haben Hunger und Durst. „Da können wir die Leute nicht lange warten lassen. Sonst werden die knatschig“, lautet Gernots Devise. Um spätestens 22 Uhr 30 ist Hüttenruhe.

Gastraum, Lesesaal, Büro, Treffpunkt

An Schlaf ist im Sammellager kaum zu denken. Zwar habe ich mich schon um 21 Uhr ins Bett verkrochen, aber ich mache kein Auge zu. Zu laut. Und in der Nacht… tja. Gäbe es in dieser Höhe noch Bäume, dann wären sie nach dieser Nacht wohl weg.

„Schnarchkonzert in D-Moll“, denke ich mir, ohne, dass es mich ärgert. Ich kenne den Betrieb in Hütten.

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