
Doch dann kommt der Tag im Kletterpark im Innsbrucker Tivoli. Nach einer Empfehlung ihrer Therapeutin in der Reha-Klinik ist sie dort. „Probiere mal das Klettern aus“, rät die Ärztin. Aber wie soll das gehen?

Jasmin kann kaum mehr gehen. Und jetzt klettern? Die junge Frau macht es einfach. Ein Schlüsselmoment in ihrem neuem Leben. „Ich habe mich am Top festgekrallt. Fertig mit der Welt. Aber ich wusste: Das ist jetzt mein Sport.“ Ihre erste Route – eine rote 3a.
Ausgeprägtes Bauchgefühl
„Ich konnte an nichts anderes denken als: Wie komme ich zum nächsten Griff?“ Jasmin lacht, wenn sie das erzählt. Klettern bedeutet für sie Gegenwart. Fokus. Freiheit. Dabei ist jeder ihrer Klettertage ein logistisches und körperliches Kunstwerk. Fünfmal pro Woche trainiert sie inzwischen, wechselt vom Rollstuhl an die Wand. Stabilisiert mit der extrem gut ausgeprägten Bauch- und Rumpfmuskulatur, weil sie ihre Beine kaum spüren kann.
„Das ist Vertrauen. Ich stelle den Fuß dahin, wo ich ihn sehe. Und hoffe, dass er bleibt.“ Meistens tut er das. Wenn nicht, geht’s nochmal zurück. Griff für Griff. Tritt für Tritt.
Und dann ist da Chiara. Die Hündin erkennt, wenn sich ein Schub ankündigt. Legt sich über Jasmins Füße, stupst sie an, gibt lautlos das Zeichen: Pause. Nur kurz. Damit Training weiter möglich bleibt.

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