
Definitionen gibt es viele. Mathematische, gesellschaftliche, politische, psychologische, geografische, zeitliche. Allein die verschiedenen Bedeutungsebenen zeigen, wie unterschiedlich Mitte ausfallen kann. Mathematisch bezeichnet sie einen Punkt oder Bereich, der von den Begrenzungen gleich weit entfernt ist. Politisch liegt sie zwischen den Extremen. Und in seelisch-psychologischer Hinsicht sprechen wir von der inneren Mitte. Von Balance.

Ich stehe noch immer am Bach und denke nach. Wie sieht es derzeit mit meiner inneren Mitte aus? Bin ich so trefflich ausbalanciert wie der Birkenast auf dem großen Stein? Meine Antwort fällt ernüchternd aus. Mit meiner inneren Mitte ist es derzeit nicht weit her. Vieles bringt mich schneller aus dem Gleichgewicht, als mir lieb ist. Vielleicht schaue ich deshalb so lange auf diesen Ast. Sehne ich mich nach dieser Art von Balance?
Nicht für immer und ewig
Zu turbulent waren die vergangenen Wochen und Monate. Ich schaue nach rechts und entdecke einen weiteren kleinen Brocken. Er liegt ziemlich genau in der Mitte des Baches.

Zumindest auf den ersten Blick sind beide Ufer etwa gleich weit entfernt. Nach einem starken Regen sieht das sicher anders aus. Dann könnte der Stein im tieferen Wasser verschwinden. Die derzeitige Mitte wäre zumindest nicht mehr so offensichtlich. Vielleicht tritt der Bach sogar über die Ufer und wird zu einem großen Feuchtbiotop. Mitte kann also kein dauerhafter Zustand sein. Sie verändert sich mit den Bedingungen.

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