Ein Berg – zwei Könige

Ein Berg – zwei Könige

 27. August 2022

Historische Signaturen

Ich mag Überraschungen. Bewusst werden über eine der wichtigsten kulturellen Errungenschaften und Erfindungen? Schreiben verändert die Welt, lese ich auf einer der Erklär-Tafeln. Wie wahr. Jedes Dokument benötigt eine Unterschrift. Friedens-Verträge, Geschäftsschreiben, persönliche Briefe, Kooperations-Abkommen, amtliche Zeugnisse. Verspielt, gradlinig, geschwungen, verschnörkelt, abstrakt, sachlich, blau, schwarz oder rot – bei den Signaturen ist alles möglich. Aber eines sind sie immer: Ausdruck einer Persönlichkeit.

All das stellt das Montblanc-Haus in Lurup in wohl dosierter Form ansprechend und beeindruckend dar. Hier haben sich kluge Menschen offensichtlich viele Gedanken darüber gemacht, wie sie die vermeintlich so alltägliche Kulturtechnik begreif- und erlebbar machen können. Für jeden Besucher, nicht nur für „Schreiber“ wie mich, eine faszinierende Möglichkeit, das eigene Tun zu reflektieren. Eine gelungene Anregung.

„Geschrieben Wort ist Perlen gleich; ein Tintenklecks ein böser Streich“

Johann Wolfgang von Goethe

Warum also nicht den Füllfederhalter zur Hand nehmen, das Tagebuch mit einem weiteren Eintrag ergänzen, einen Brief oder eine Notiz schreiben? Natürlich ohne Kleckse… . Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe kannte noch keine modernen Schreibwerkzeuge, er musste sich des Öfteren mit dem alt hergebrachten Federkiel herumplagen: „Die Tinte macht uns wohl gelehrt, doch ärgert sie, wo sie nicht hingehört. Geschrieben Wort ist Perlen gleich; ein Tintenklecks ein böser Streich.“

Etwa 30 Millionen Euro hat sich Montblanc das Haus des Schreibens kosten lassen. Seit Mai steht es Besuchern offen. Das Unternehmen, das zur Schweizer Richemont-Gruppe gehört, engagiert sich seit vielen Jahren in Kunst und Kultur, vergibt den Culture Arts Patronage Award. Er zeichnet Jahr für Jahr zeitgenössische Mäzene aus. Hier trifft Business auf Kunst. BiZmeetsArt sorgt für Impulse, die anders, eben überraschend sind. Genau: Ich mag Überraschungen. Im Kern aber bleibt es immer das Gleiche, wie der Humorist, Schriftsteller und Schauspieler Heinz Erhart einmal sagte: „Manche Dichter gibt es, die benötigen der Dinge vier: einen guten Reim auf Liebe, Feder, Tinte und Papier.“ Und ich? Ich mag Überraschungen. Beim Schreiben und am Berg, wie der Mont Blanc einer ist.

Beim Aufstieg zum höchsten Berg der Alpen. Im Hintergrund das Matterhorn…

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