Eisen, Enns & Steyr

Über Kaufleute, Nachtwächter, Schmiede, Ketzer, Inquisitoren und Industrielle. Geschichten, die hinter Fassaden, Haustüren und Hausnummern verborgen liegen. „Steyr war im Mittelalter nach Wien die zweitbedeutendste, wichtigste und reichste Stadt Österreichs“, sagt Wolfgang Hack fast beiläufig. Doch dieser Satz erklärt vieles. Der Reichtum kommt vom Eisen.

Genauer gesagt: vom Erzberg, rund 100 Kilometer südlich von Steyr. Von dort gelangt das begehrte Metall über die Enns über Jahrhunderte in die Stadt. Flößer transportieren die Fracht flussabwärts. Ein harter Beruf, an den an etlichen Stellen erinnert wird. In Steyr verarbeiten zupackende und fleißige Menschen das Eisen, handeln damit und verkaufen es in ganz Europa. Mit großem Erfolg. Schon früh entstehen in der Stadt Werkstätten von Messerern, Klingen-schmieden und später Büchsenmachern.

Wohlstand durch Eisen

Aus dem Eisen entstehen Werkzeuge, aber eben auch Schwerter, Messer und Waffen. Gewerke, die bis in die Zeit der Römer zurückreichen. Das berühmte norische Eisen gilt als besonders hochwertig. Im nahen Lauriacum, dem heutigen Enns (wird oft als älteste Stadt Österreichs bezeichnet) entstehen Schilde und andere Ausrüstung für die Legionen. Als sich Jahrhunderte später die Eisenstraße entwickelt, wird Steyr zu einem Zentrum der Metallverarbeitung in den nördlichen Alpen. Für sehr lange Zeit. Im Prinzip ist das bis heute so geblieben, trotz schwerer Krisen, sinkender Nachfrage und billigerer Konkurrenz im Ausland. Nur, dass alte Fabrikgebäude, Häuser, Manufakturen und Werkstätten heute zum Teil ganz anders genutzt werden. Besonders deutlich wird das am Wehrgraben. Heute ein bevorzugtes Wohnareal.

Wolfgang Hack führt mich durch jenen Stadtteil, der ihm besonders am Herzen liegt. Hier steht auch der Betrieb seiner Vorfahren. Sie gehören zu den klugen Leuten, die vor mehreren hundert Jahren ein Kanalsystem anlegen, um die Kraft des Wassers zu nutzen. Mühlräder, Hämmer, Presswerke. Wasser ist DIE Antriebskraft. Schafft dadurch Beschäftigung, Entwicklung und Innovation.

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