Glückliche Ungewissheit

Die Mur ist kein kleiner Fluss. Mehr als 450 Kilometer strömt sie durch Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Dort mündet sie in die Drau, die wiederum in die Donau fließt und im Schwarzen Meer endet. Ich könnte theoretisch bis nach Rumänien schippern.

Ein Boot habe ich nicht, nur meine knallgelbe Restube-Boje, die ich mir um den Bauch schnalle. Mein rechter Mittelfinger macht die Temperatur-Probe. Geschätzte sechs Grad. Und hinein. Mein Körper zieht sich kurz zusammen, der Atem bleibt tief und entspannt. Einmal mit dem Kopf unter Wasser, schütteln und los. Gut zehn Minuten schwimme ich gegen die mäßige Strömung der Mur. Das Wasser ist trüb, meine Gedanken aber sind klar. Kopf, Arme, Brust und Beine leuchten rot.

Fauxpas ohne Folgen

Das Herz arbeitet wie ein Uhrwerk. Zum Glück gesellt sich Achtsamkeit. Umkehr kurz vor einer Brücke. Ich surfe schwimmend mit deutlich höherem Tempo zurück. Beim Ausstieg plumpst mein Handy in die Mur. Ohne Folgen. Welch ein Glück. Sonst wäre ein Kraftausdruck fällig. Er würde mit Sche… beginnen und mit …iße enden.

Ohne Murren in der Mur

Das kalte Wasser und der kleine Fauxpas haben das Adrenalin schießen lassen. Die unruhige Nacht ist längst vergessen. Zweifel verschwinden, die Ungewissheit hat sich verflüchtigt.

Seiten: 1 2 3 4

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert