Hafen der Erinnerung

Da unternimmst du etwas, was du lange nicht gemacht hast. Und schon laufen Filme ab. Anfangs etwas verblasst. Dann aber leuchten die Farben der Erinnerungen immer kräftiger. Wie kürzlich, bei einer Hafenrundfahrt in Hamburg.

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Hamburg riecht nach Diesel, Salz und Abenteuer. An jenem 15. Oktober 1977. Ich bin 13, habe Pickel und mein Vater steht neben mir und lächelt. Wir sind wegen des DFB-Pokalspiels in der Stadt, dritte Runde. Bundesligist Hamburger SV gegen den VfV Hildesheim. Schon früh morgens reisen wir mit dem Sonderzug an.  

Die Amateurkicker des Vereins für Volkssport (VfV) unterstützen. 7.000 Zuschauer (vermutlich 6.000 aus Hildesheim) im weiten Rund des alten Volksparkstadions. Männer mit klingenden Namen traben sich auf dem Rasen warm: Manni Kaltz, Kevin Keegan, Felix Magath, Willi Reimann, Casper Memering. Im Tor Rudi Kargus, im Spiel wird er genau dreimal geprüft. Trainer Rudi Gutendorf, wenige Wochen später Geschichte, nach nur vier Monaten im Amt.

Vor dem HSV in den Hafen

Doch vor dem Anpfiff gehören die Stunden dem Hafen in Deutschlands zweitgrößter Stadt. Wir stehen an den Landungsbrücken, steigen auf eine Barkasse. Ich weiß nicht, was größer ist: die Schiffe oder meine Aufregung. Mein Vater erklärt mir die Kräne. Für mich sind es stählerne Giraffen, die sich träge über Decks beugen. Container sehe ich, aber sie erscheinen wie bunte Kästen, nicht wie die Taktgeber einer Weltwirtschaft. Damals vor 49 Jahren.

Der Hafen wirkt rauer, überschaubarer, mehr nach Werft und Hände Arbeit als nach globalem Daten- und Warenstrom.

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