Herzschmerz

Oder besser gesagt: nichts Auffälliges. Mein Herz sieht gut aus. Keine erkennbaren Risikofaktoren. Medizinisch betrachtet eine ausgezeichnete Nachricht. Ich freue mich darüber. Natürlich. Nur beruhigt bin ich nicht. Denn eine Frage bleibt unbeantwortet: Was war es dann? Hier beginnt mein neues Problem. Solange die Untersuchungen laufen, raten mir die Mediziner, sportliche Aktivitäten ruhen zu lassen. Stress vermeiden. Auch körperlichen. Vor allem Schwimmen im kalten Wasser sei jetzt Gift für den Körper. Ich höre auf die Fachleute.

Kälte ist kompromisslos

Kein Schwimmen. Kein Laufen. Kein Krafttraining. Kein Boxen. Bewegung nur dort, wo sie sich kaum vermeiden lässt. Mit dem Fahrrad zum Einkaufen zum Beispiel. Für einen Bewegungs-Menschen wie mich ist das schwer auszuhalten.

Besonders das Wasser fehlt mir. Ich weiß seit Kindesbeinen, wie wichtig Bewegung für mich ist. Ich weiß auch, was mir das Schwimmen bedeutet. Aber zwischen etwas wissen und etwas spüren liegt offenbar ein Unterschied. Erst als ich nicht ins Wasser darf, merke ich, wie viel dort von mir hineingehört. Frei nach Arthur Schopenhauer:

„Meistens belehrt uns erst der Verlust über den Wert der Dinge.“


Der Rhythmus der Züge. Die Konzentration auf den eigenen Körper. Das Gefühl danach. Diese angenehme Müdigkeit. Und beim Schwimmen im kalten Wasser noch etwas anderes: der Moment, in dem plötzlich alles unwichtig wird, was vorher den Kopf beschäftigt hat. Kälte ist kompromisslos.

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Kommentare

4 Kommentare zu „Herzschmerz“

  1. Antje Schwartz

    Hallo Jörg! Kann ich so gut nachempfinden, daher mal raus aus der Insta-Anonymität. Ich bin im Frühjahr ein paar Tage nach dem Cold Water schwimmen, in der Binzer Bucht in der Chest Pain Unit gelandet und mit eine meiner größten Sorgen war es nicht mehr ins kalte Wasser zu dürfen. Letztendlich war es Selbstüberschätzung, bei heftigem Sturm und Wellen und ungeübt in Neopren und nur mäßig begnadete Schwimmerin, mich durch das Meer zu kämpfen, was dann zum Glück doch nicht zu Herzprobleme geführt hat, aber zu einer Knorpelentzündung am Übergang von den Rippen zum Brustbein und zum Rücken und den Luftröhre hoch und erst nach ein paar Wochen Ibuprofen und keinen Sport machen wieder weggegangen ist. Die Verunsicherung blieb und ich bin ziemlich aufgeregt und verunsichert, ob ich gut auf mich höre im Frühsommer in das nächste Abenteuer in die Arktis gestartet. Das war aber gut so. Jetzt ist wieder alles weitgehend in Ordnung, die Erinnerung an das Scheissgefühl bleibt, abgewogen wird genauer, aber letztendlich eine unendliche Dankbarkeit bewusst dort weiterzumachen, wo man hin möchte oder ist. in diesem Sinne weiter viel Spaß. Es war schön Deinen Artikel zu lesen. Er hat mir aus dem Hetzen gesprochen. Bleib schön mit Gesund. Antje

    1. Jörg Wunram

      Liebe Antje, vielen Dank, dass du mir das geschrieben hast. Das macht Mut und gibt Zuversicht. Letztlich liegt es an uns, was wir uns zutrauen und machen sollten. Selbstbestimmheit hat ihren Preis. DANKE

  2. Oh, was ein Dilemma. Was eine Aufgabe, das richtige Maß zu finden, wenn einem niemand sagt, was „richtig“ in diesem Zusammenhang ist.
    Was bleibt, ist die Dringlichkeit, sehr genau auf den eigenen Körper zu hören und alle Signale ernst zu nehmen. Was immer sie bedeuten mögen.
    Toi toi toi dabei.
    Liebe Grüße Lutz

    1. Jörg Wunram

      Moin Lutz, du Seelenverwandter. Danke dir. Ja. Wir müssen auf uns aufpassen. Wenn wir es nicht tun, wer dann… Auf BALD

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