Herzschmerz

Sie fragt nicht, ob noch eine Mail beantwortet werden muss. Ob eine Rechnung offen ist. Ob ein Text fertig werden soll. Ob gestern etwas schiefgelaufen ist und morgen etwas schwierig werden könnte. Kaltes Wasser kennt nur das Jetzt. Eiskalt.

Nach all den Untersuchungen kommt die medizinische Entwarnung. Ich dürfe alles machen, heißt es. Ohne Einschränkungen. Schwimmen. Laufen. Krafttraining. Boxen. Bergsteigen. Auch Eisschwimmen. Ein Grund zum Jubeln. Stattdessen stehe ich vor einem neuen Problem.

Ins kalte Wasser?

Was mache ich mit einer Entwarnung, wenn die Ursache für den Alarm unbekannt bleibt? Ausgerechnet Stress soll ich vermeiden. Doch die Ungewissheit schafft neuen.

Wo medizinische Gewissheit endet und ich selbst entscheiden muss, welches Risiko ich eingehe – und welches nicht. Ich nenne das Eigenverantwortung. Oder ist es Eigenverunsicherung? Eisschwimmen ist kein Spaziergang. Wer in sehr kaltes Wasser steigt, setzt seinen Körper bewusst einem extremen Reiz aus. Die Gefäße ziehen sich zusammen, Blutdruck und Puls verändern sich, Stresshormone werden ausgeschüttet. Das Herz-Kreislauf-System muss reagieren.

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Kommentare

4 Kommentare zu „Herzschmerz“

  1. Antje Schwartz

    Hallo Jörg! Kann ich so gut nachempfinden, daher mal raus aus der Insta-Anonymität. Ich bin im Frühjahr ein paar Tage nach dem Cold Water schwimmen, in der Binzer Bucht in der Chest Pain Unit gelandet und mit eine meiner größten Sorgen war es nicht mehr ins kalte Wasser zu dürfen. Letztendlich war es Selbstüberschätzung, bei heftigem Sturm und Wellen und ungeübt in Neopren und nur mäßig begnadete Schwimmerin, mich durch das Meer zu kämpfen, was dann zum Glück doch nicht zu Herzprobleme geführt hat, aber zu einer Knorpelentzündung am Übergang von den Rippen zum Brustbein und zum Rücken und den Luftröhre hoch und erst nach ein paar Wochen Ibuprofen und keinen Sport machen wieder weggegangen ist. Die Verunsicherung blieb und ich bin ziemlich aufgeregt und verunsichert, ob ich gut auf mich höre im Frühsommer in das nächste Abenteuer in die Arktis gestartet. Das war aber gut so. Jetzt ist wieder alles weitgehend in Ordnung, die Erinnerung an das Scheissgefühl bleibt, abgewogen wird genauer, aber letztendlich eine unendliche Dankbarkeit bewusst dort weiterzumachen, wo man hin möchte oder ist. in diesem Sinne weiter viel Spaß. Es war schön Deinen Artikel zu lesen. Er hat mir aus dem Hetzen gesprochen. Bleib schön mit Gesund. Antje

    1. Jörg Wunram

      Liebe Antje, vielen Dank, dass du mir das geschrieben hast. Das macht Mut und gibt Zuversicht. Letztlich liegt es an uns, was wir uns zutrauen und machen sollten. Selbstbestimmheit hat ihren Preis. DANKE

  2. Oh, was ein Dilemma. Was eine Aufgabe, das richtige Maß zu finden, wenn einem niemand sagt, was „richtig“ in diesem Zusammenhang ist.
    Was bleibt, ist die Dringlichkeit, sehr genau auf den eigenen Körper zu hören und alle Signale ernst zu nehmen. Was immer sie bedeuten mögen.
    Toi toi toi dabei.
    Liebe Grüße Lutz

    1. Jörg Wunram

      Moin Lutz, du Seelenverwandter. Danke dir. Ja. Wir müssen auf uns aufpassen. Wenn wir es nicht tun, wer dann… Auf BALD

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