

Sie fragt nicht, ob noch eine Mail beantwortet werden muss. Ob eine Rechnung offen ist. Ob ein Text fertig werden soll. Ob gestern etwas schiefgelaufen ist und morgen etwas schwierig werden könnte. Kaltes Wasser kennt nur das Jetzt. Eiskalt.
Nach all den Untersuchungen kommt die medizinische Entwarnung. Ich dürfe alles machen, heißt es. Ohne Einschränkungen. Schwimmen. Laufen. Krafttraining. Boxen. Bergsteigen. Auch Eisschwimmen. Ein Grund zum Jubeln. Stattdessen stehe ich vor einem neuen Problem.
Ins kalte Wasser?
Was mache ich mit einer Entwarnung, wenn die Ursache für den Alarm unbekannt bleibt? Ausgerechnet Stress soll ich vermeiden. Doch die Ungewissheit schafft neuen.

Wo medizinische Gewissheit endet und ich selbst entscheiden muss, welches Risiko ich eingehe – und welches nicht. Ich nenne das Eigenverantwortung. Oder ist es Eigenverunsicherung? Eisschwimmen ist kein Spaziergang. Wer in sehr kaltes Wasser steigt, setzt seinen Körper bewusst einem extremen Reiz aus. Die Gefäße ziehen sich zusammen, Blutdruck und Puls verändern sich, Stresshormone werden ausgeschüttet. Das Herz-Kreislauf-System muss reagieren.

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