Herzschmerz

All das weiß ich, bin nie leichtfertig ins kalte Wasser gestiegen. Genauso wie ich nie leichtfertig auf Berge kraxele. Langsame Gewöhnung, kurze Aufenthalte, nicht allein schwimmen, auf den eigenen Körper achten – das gehört für mich dazu. Nur hat sich etwas verändert. Nicht das Wasser. Ich.

Ein bislang eher abstraktes Risiko hat ein Gefühl bekommen. Enge in der Brust. Schweres Atmen. Ein Herz, das plötzlich auf sich aufmerksam macht. Wie gehe ich damit um? Gar nicht mehr ins kalte Wasser? Dann würde ich auf etwas verzichten, das mir enorm viel gibt. Aber einfach weitermachen wie zuvor? Auch das fühlt sich falsch an.

Die Antwort liegt wohl irgendwo dazwischen. Das Dazwischen ist für mich verdammt schwer auszuhalten. Mir wird in diesen Wochen etwas bewusst, das banal klingt. Leben lässt sich nicht vollständig absichern. Ich kann mich untersuchen lassen. Ich kann Risiken kennen. Ich kann vernünftig handeln. Ich kann auf meinen Körper hören. Eine Garantie bekomme ich nicht. Nicht fürs Eisschwimmen.

Leben und Wert

Nicht fürs Bergsteigen. Nicht fürs Laufen oder Radfahren. Und vermutlich auch nicht fürs Sitzen auf dem Sofa. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Welches Risiko bin ich bereit einzugehen für etwas, das meinem Leben einen Wert gibt? Natürlich möchte ich gesund bleiben. Möglichst lange sogar. Aber Gesundheit bedeutet für mich nicht ausschließlich die Abwesenheit einer diagnostizierbaren Krankheit.

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Kommentare

4 Kommentare zu „Herzschmerz“

  1. Antje Schwartz

    Hallo Jörg! Kann ich so gut nachempfinden, daher mal raus aus der Insta-Anonymität. Ich bin im Frühjahr ein paar Tage nach dem Cold Water schwimmen, in der Binzer Bucht in der Chest Pain Unit gelandet und mit eine meiner größten Sorgen war es nicht mehr ins kalte Wasser zu dürfen. Letztendlich war es Selbstüberschätzung, bei heftigem Sturm und Wellen und ungeübt in Neopren und nur mäßig begnadete Schwimmerin, mich durch das Meer zu kämpfen, was dann zum Glück doch nicht zu Herzprobleme geführt hat, aber zu einer Knorpelentzündung am Übergang von den Rippen zum Brustbein und zum Rücken und den Luftröhre hoch und erst nach ein paar Wochen Ibuprofen und keinen Sport machen wieder weggegangen ist. Die Verunsicherung blieb und ich bin ziemlich aufgeregt und verunsichert, ob ich gut auf mich höre im Frühsommer in das nächste Abenteuer in die Arktis gestartet. Das war aber gut so. Jetzt ist wieder alles weitgehend in Ordnung, die Erinnerung an das Scheissgefühl bleibt, abgewogen wird genauer, aber letztendlich eine unendliche Dankbarkeit bewusst dort weiterzumachen, wo man hin möchte oder ist. in diesem Sinne weiter viel Spaß. Es war schön Deinen Artikel zu lesen. Er hat mir aus dem Hetzen gesprochen. Bleib schön mit Gesund. Antje

    1. Jörg Wunram

      Liebe Antje, vielen Dank, dass du mir das geschrieben hast. Das macht Mut und gibt Zuversicht. Letztlich liegt es an uns, was wir uns zutrauen und machen sollten. Selbstbestimmheit hat ihren Preis. DANKE

  2. Oh, was ein Dilemma. Was eine Aufgabe, das richtige Maß zu finden, wenn einem niemand sagt, was „richtig“ in diesem Zusammenhang ist.
    Was bleibt, ist die Dringlichkeit, sehr genau auf den eigenen Körper zu hören und alle Signale ernst zu nehmen. Was immer sie bedeuten mögen.
    Toi toi toi dabei.
    Liebe Grüße Lutz

    1. Jörg Wunram

      Moin Lutz, du Seelenverwandter. Danke dir. Ja. Wir müssen auf uns aufpassen. Wenn wir es nicht tun, wer dann… Auf BALD

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