
Zu einem gesunden Leben gehört für mich auch Bewegung. Draußen zu sein. Auf Berge zu steigen. Durch den Wald zu laufen oder zu radeln. Im See zu schwimmen. Und eben auch, im kalten Wasser zu kraulen.
Entfernte ich all das aus meinem Leben, um jedes denkbare Risiko zu vermeiden, gewinne ich vielleicht ein Stück Sicherheit. Aber ich verliere Lebensqualität. „Was fehlt, merkt man oft erst, wenn es fort ist“, lautet eine dieser Volksweisheiten, die so abgegriffen klingen, bis sie plötzlich in das eigene Leben tropfen. Ausgerechnet die Wochen des Stillhaltens haben mir gezeigt, warum ich mich so gerne bewege.
Risiko der Freiheit
Nicht, weil ich Kilometer sammeln muss. Nicht, weil eine Uhr meine Leistung misst. Nicht, weil ich irgendjemandem etwas beweisen möchte. Bewegung bedeutet für mich Freiheit. Ein Grund, warum mich Eisschwimmen so fasziniert. Es reduziert die Welt für einen kurzen Moment auf das Wesentliche. Körper. Wasser. Kälte. Atem. Gegenwart. Mehr braucht es nicht. Und jetzt kommt etwas hinzu: Zweifel.
Vielleicht wird er beim nächsten Mal mit mir ins Wasser steigen. Vielleicht werde ich noch achtsamer und vorsichtiger sein. Kürzer schwimmen. Noch bewusster abwägen. Vielleicht werde ich an manchen Tagen am Ufer stehen und entscheiden: Heute nicht. Auch das wäre Freiheit.
Eigenverantwortung bedeutet für mich nicht, Warnungen zu ignorieren. Sie bedeutet ebenso wenig, aus Angst auf alles zu verzichten. Sie bedeutet, Entscheidungen zu treffen, obwohl es keine absolute Gewissheit gibt. Das ist unbequem.

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