Herzschmerz

Ich hätte gerne eine eindeutige Antwort. Ein klares Ja. Oder ein klares Nein. Stattdessen bekomme ich von der Medizin ein: Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen. Und mein Kopf antwortet: Aber da war doch etwas. Beides stimmt. Damit muss ich leben.

Aber wie? Das unterliegt meiner Verantwortung. Die Herausforderung der kommenden Kaltwassersaison besteht nicht darin, wieder in zwei, vier oder sechs Grad kaltes Wasser zu steigen. Sondern darin, Selbst-Vertrauen zurückzugewinnen. In meinen Körper. In mein Herz. Und in meine Fähigkeit, Mut und Leichtsinn zu unterscheiden. Keine Ahnung, ob und wie gut mir das gelingt.

Natürlich ungewiss

Eines weiß ich nach diesen Wochen aber ziemlich genau: wie sehr mir das Wasser fehlt, wenn ich nicht hineindarf. Vielleicht ist das der eigentliche Herzschmerz dieser Geschichte. Wasser zieht mich an. Es schenkt mir Ruhe, Trost, Geborgenheit. Die Wellen. Die Tiefe. Die Strömungen. Die Kälte. Das Reinigende. Das Tragende. Das Leichte. Die natürliche Ungewissheit von Seen, Meeren, Flüssen. In Gewässern durfte ich lernen, damit umzugehen. Dafür bin ich dem Wasser dankbar. Jetzt bin ich mir ganz sicher. Ich habe doch Liebeskummer.

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Kommentare

4 Kommentare zu „Herzschmerz“

  1. Antje Schwartz

    Hallo Jörg! Kann ich so gut nachempfinden, daher mal raus aus der Insta-Anonymität. Ich bin im Frühjahr ein paar Tage nach dem Cold Water schwimmen, in der Binzer Bucht in der Chest Pain Unit gelandet und mit eine meiner größten Sorgen war es nicht mehr ins kalte Wasser zu dürfen. Letztendlich war es Selbstüberschätzung, bei heftigem Sturm und Wellen und ungeübt in Neopren und nur mäßig begnadete Schwimmerin, mich durch das Meer zu kämpfen, was dann zum Glück doch nicht zu Herzprobleme geführt hat, aber zu einer Knorpelentzündung am Übergang von den Rippen zum Brustbein und zum Rücken und den Luftröhre hoch und erst nach ein paar Wochen Ibuprofen und keinen Sport machen wieder weggegangen ist. Die Verunsicherung blieb und ich bin ziemlich aufgeregt und verunsichert, ob ich gut auf mich höre im Frühsommer in das nächste Abenteuer in die Arktis gestartet. Das war aber gut so. Jetzt ist wieder alles weitgehend in Ordnung, die Erinnerung an das Scheissgefühl bleibt, abgewogen wird genauer, aber letztendlich eine unendliche Dankbarkeit bewusst dort weiterzumachen, wo man hin möchte oder ist. in diesem Sinne weiter viel Spaß. Es war schön Deinen Artikel zu lesen. Er hat mir aus dem Hetzen gesprochen. Bleib schön mit Gesund. Antje

    1. Jörg Wunram

      Liebe Antje, vielen Dank, dass du mir das geschrieben hast. Das macht Mut und gibt Zuversicht. Letztlich liegt es an uns, was wir uns zutrauen und machen sollten. Selbstbestimmheit hat ihren Preis. DANKE

  2. Oh, was ein Dilemma. Was eine Aufgabe, das richtige Maß zu finden, wenn einem niemand sagt, was „richtig“ in diesem Zusammenhang ist.
    Was bleibt, ist die Dringlichkeit, sehr genau auf den eigenen Körper zu hören und alle Signale ernst zu nehmen. Was immer sie bedeuten mögen.
    Toi toi toi dabei.
    Liebe Grüße Lutz

    1. Jörg Wunram

      Moin Lutz, du Seelenverwandter. Danke dir. Ja. Wir müssen auf uns aufpassen. Wenn wir es nicht tun, wer dann… Auf BALD

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