Im Regenwald

In Bodennähe riecht es nach Humus, Polizen, Moos und Erdgeschichten. Wasser sickert durch die Blätterdecke, verschwindet, taucht irgendwo wieder auf – gefiltert, geklärt, gereinigt. Der Waldboden arbeitet. Er verwandelt Regen in lebendiges Wachstum. Diese Aktivspeicher sind unbezahlbar.

Ich bleibe vor einer besonders großen Buche stehen. Ihre Wurzeln umklammern den Boden und halten ihn fest. Ohne wahrnehmbaren Druck. Der Regen wird dichter, mein Atem dampft. Ich bin allein, von meiner Stirn tropft es unablässig. Es fühlt sich gut an. Der US-Musiker Bob Dylan formulierte einmal: „Manche Menschen spüren den Regen, andere werden nur nass!“

Kühler Kosmos

Apropos Musik: Der Wald klingt anders, wenn es regnet: dumpfer, säuselnd, weicher. Die Vögel schweigen, nur ab und zu klopft ein Specht. Ich sehe Tropfen an Gräsern hängen, winzige gläserne Kugeln, in denen sich der Kosmos Wald im Miniformat spiegelt. Inspiration durch Transpiration. Pflanzen nehmen Wasser auf, geben es durch ihre Blätter wieder ab, bilden Nebel, Dunst und spenden Kühle.

Ein ausgewachsener Baum kann an einem warmen Tag mehrere hundert Liter Wasser verdunsten. Damit ist er eine natürliche Klimaanlage. Anders als schnurrende Ventilatoren oder ratternde Air-Conditioners arbeiten Bäume nahezu geräuschlos, ohne große Wartung und verlässlich. Ohne Entgelt. In Wäldern im Teamwork mit einem unschätzbaren Nutzen für das Gemeinwohl, gerade in einer Millionenstadt wie Hamburg.

Seiten: 1 2 3 4

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert