„Kälte lässt mich kalt“

„Kälte lässt mich kalt“

 8. Juni 2022

Talk im und über das Wasser

Dass sie nun zum kleinen Kreis von nur 29 deutschen Channel-Quererinnen gehört, ist Anke Tinnefeld zwar rasch klar. „Bis ich es verinnerlicht hatte und annehmen konnte, hat es aber deutlich länger gedauert.“ Genau genommen fast zweieinhalb Jahre. So eine große Herausforderung braucht nicht nur eine gewissenhafte Vorbereitung, „sondern auch eine ganz tiefgründige Nachbereitung“, sagt Anke Tinnefeld bescheiden. „Das ist auch eine ganz individuelle Geschichte.“ Die Schwimmerin jedenfalls hängt ihre außergewöhnliche Leistung nicht an die große Glocke. Denn sie macht das nicht für Ruhm oder Geld. „Ich tue das nur für mich. Ich muss niemandem etwas beweisen.“ Zumal sie eine eher „Spätberufene“ ist. In jungen Jahren ist sie geritten und hat sich immer bewegt. Richtig zu kraulen lernt sie erst Anfang der 2000er Jahre. Als sie sich zunächst dem Triathlon verschreibt und dabei ihre Liebe zum Wasser entdeckt. „Ich bin also gar keine echte Schwimmerin“, schmunzelt sie heute.

„Beim Schwimmen komme ich zur Ruhe“

Anke Tinnefeld über ihre Passion
Wasser spiegelt die Seele

Längst kniet die Extremsportlerin in der spiegelglatten Ostsee. Der bunte Badeanzug, die Badekappe und die orange Rettungsboje sind Farbtupfer im blau-grünen Wasser. Dann taucht Anke unter, prustet kurz und zeigt in Richtung Sierksdorf. Einmal quer über die Bucht. „Aber nicht heute, die ganz langen Riemen von bis zu acht Stunden kommen noch“, lacht Tinnefeld. Obwohl sie im März im Trainingslager auf Mallorca schon ihr erstes Sechs-Stunden-Schwimmen absolviert hat. Bei eher widrigen Bedingungen. Aber auch das konnte die Ausdauer-Sportlerin sogar ein Stück weit genießen. „Schwimmen ist wie Meditation, da komme ich zur Ruhe, bin bei mir und stelle mich den unterschiedlichsten Herausforderungen.“

Auf dem Weg von Fehmarn nach Dänemark und zurück gibt es viel Raum und Zeit für sich verändernde Verhältnisse. Vielleicht sind diese Unwägbarkeiten ein Grund, warum bislang nur ein einziger Mann (2011 Bruno Dobelmann) die doppelte Fehmarnbelt-Querung geschafft hat. Einige Frauen haben es auch schon probiert. Es blieben Versuche. Anke Tinnefeld könnte also die erste sein, die nach 15 Stunden oder mehr wieder in Puttgarden ans Ufer schwimmt.

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