Kelly & das goldene ‚Eckzeck‘

Kelly & das goldene ‚Eckzeck‘

 13. Januar 2022

Es gibt Bilder, die sprechen Bände. Norbert Warnatzsch ist dort, wo er sich nach eigener Aussage derzeit am liebsten aufhält. In der Elbeschwimmhalle in Magdeburg. Der 74-Jährige sitzt im blauen Shirt an seinem Schreibtisch auf der Tribüne, ruft einer Schwimmerin eine Zeit zu, drückt auf seine Stoppuhr und schaut zufrieden durch die Halle. „Hia bin ick in meinem Element“, sagt der Mann mit leichten Berliner Akzent im Podcast. Dabei ist er gebürtiger Sachse.

„Da bin ick schon stolz drauf,

dit is schon was“

Warnatzsch über seinen Wikipedia-Eintrag
In seinem Element…

In Nenkersdorf bei Leipzig kommt der „Norbert“ im Januar 1947 zur Welt. Bis heute hat der Ort den Schwimmtrainer nicht vergessen. Auf Wikipedia findet man in der Rubrik Persönlichkeiten aus Nenkersdorf nur einen Eintrag: Norbert Warnatzsch, deutscher Schwimmtrainer. „Da bin ick schon stolz drauf“, sagt der Mann, lacht und rückt seine Brille zurecht. „Ditte is schon was. Erste Annäherungsversuche ans Wasser“, erinnert sich Warnatzsch, „gab es genau dort.“ Am und im Harthsee, einem gefluteten Braunkohletagebaugebiet. Mit neun Jahren bringt er sich das Schwimmen selbst bei. Im Freibad in Zauckerode bei Dresden. Beim Fangen-Spielen über die Becken-Ecken. Oder wie der Trainer sagt: „Beim Eck-Zeck.“ Das war offensichtlich eine gute Schule. Denn die Späher des jungen DDR-Sportsystems sichten und rekrutieren den Nachwuchssportler Ende der 1950er Jahre. Mit zwölf Jahren geht Warnatzsch an die Kinder- und Jugendsportschule Werner Seelenbinder nach Berlin. Heute treffen wir uns an seiner aktuellen Wirkungsstätte. In Magdeburg in der Schwimmhalle. Inklusive gelegentlicher Störgeräusche… (die bitte ich in den Audios zu entschuldigen). Authentische Atmosphäre für einen Mann der immer versucht, authentisch zu sein.

Norbert Warnatzsch: Ausgebuffter Trainer und „Athletenkumpel

Im Kraul- und Schmetterlingsschwimmen feiert der Teenager erste Erfolge bei DDR-Jugendmeisterschaften. Doch nach wenigen Jahren stagniert seine Leistung und „ich wurde aussortiert und bin zum Modernen Fünfkampf gewechselt.“ Nicht weniger motiviert, und der junge Sportler entdeckt seine Liebe zu Pferden. „Das ist schon was Besonderes, wenn du mit einem dir zugelosten Tier trotzdem auf einer Wellenlänge bist.“ Es lief für den Ex-Schwimmer schnell rund. Nach nur eineinhalb Jahren Training wird Warnatzsch Vizeweltmeister bei den Junioren in der Mannschaftswertung.

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