Was passiert, wenn Natur wieder Natur sein darf – und Menschen lernen, ihr zuzuhören? Dann könnte so etwas entstehen, wie im Gesäuse in der Steiermark. Dort sind Naturschutz und Tourismus keine Gegenspieler, sondern Partner.
Weiterlesen: Natürlich wildUnter der schmalen Holzbrücke gurgelt es. Der Johnsbach strömt, schleift Kies und rollt Steine Richtung Enns. Rolling Stones mitten in der Steiermark.

Einst war der Johnsbach begradigt und technisch gebändigt. Heute darf er wieder fließen. „Ein echter, schöner Wildbach ist er geworden“, sagt Herbert Wölger, Geschäftsführer des Nationalparks Gesäuse. „Fischotter, Bachforelle – alles wieder da.“ Der studierte Forstwirt lehnt sich an das Geländer und deutet auf eine Stelle am Ufer, kurz vor der Einmündung des Johnsbaches in die Enns.
Unversaut schweißtreibend

„Da befindet sich ein Mikrofon. Es nimmt das Klackern der Steine auf, die über den Grund rollen.“ Je lauter das Geräusch, desto mehr Material transportiert der Bach. Forschende der Universität für Bodenkultur in Wien werten die Daten aus. Sie wollen verstehen, wie der Bach sich und angrenzende Bereiche verändert. Wissenschaft ist Beobachtung.
Im Gesäuse haben das viele Menschen in einem langen Prozess offenbar verstanden. Im Xeis, wie es die Einheimischen nennen, begegnen sich Natur und Mensch auf vergleichsweise engem Raum. Sylvia Hofbauer vom Tourismusverband sagt: „Wir sind froh, dass das Gesäuse unversaut und schweißtreibend geblieben ist. Das grenzt unsere Gästeklientel automatisch ein.“ Hofbauer sieht das nicht als Makel.


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