Quallen sind Qualen

Ein Jahr später hängt der „Held“ der Retter seinen Beruf als Seemann an den Nagel. Der Grund: Ein Bericht über den gescheiterten Versuch eines Landsmanns 1872, den Ärmelkanal zu durchqueren, inspiriert Matthew Webb, Profischwimmer zu werden. Tägliches Training, manchmal stundenlang. Anfang August 1875 wagt Matthew Webb den ersten Versuch im Channel. Nach sieben Stunden gibt er auf. Kräftiger Wind, hohe Wellen und starke Strömung zwingen ihn dazu.

Schnaps gegen Schmerzen

Doch jetzt ist Webb auf einem guten Weg. Seit viereinhalb Stunden. Zug für Zug. Gegen 17 Uhr 30 verschwindet Dover aus dem Blickfeld und weitere vier Stunden später schwimmt Webb in die Dunkelheit. Die Helfer auf dem Begleitboot lassen immer wieder eine Brandy-Flasche an einem Bindfaden in die See gleiten. Das Trinken fällt dem 27-Jährigen schwer.

Die Wellen klatschen gegen den geschlauchten Körper, der von feuerroten Flecken übersät ist. Quallen stechen zu. Quallen sind Qualen. Webb nimmt einen kräftigen Schluck aus der Brandy-Flasche. Lindert das die Schmerzen? Der Mann schwimmt und schweigt. Er will in seinem Rhythmus bleiben.

Anfangs schwimmt 25 Brust-Züge pro Minute, jetzt liegt er bei 20 und später kommt er nur noch auf 12. Gut 17 Stunden sind vorbei. Morgengrauen. Kabbelige Wellen. Mal sieht er Frankreich, mal nicht.

Seiten: 1 2 3 4 5 6

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert