
Der ehemalige Seemann fühlt sich wie ein Stück Treibholz. Die Strömung ist stärker geworden. Der Schwimmer mobilisiert seine Kräfte. Eine Anstrengung, die sich Menschen bis dahin kaum vorstellen konnten.
Captain Webb ist gezeichnet. Die Lippen aufgesprungen, das Gesicht sonnenverbrannt, die Haut an Armen und Beinen voller Pusteln. Nach 21 Stunden und 45 Minuten und letztlich rund 63 Kilometern hat der frühere Seemann wieder festen Boden unter den Füßen. Das Gehen fällt ihm schwer. Nach einem Tag der körperlichen Verausgabung in der Horizontalen kein Wunder.
Schwimmender Show-Star

Der Langstreckenschwimmer wankt um 10 Uhr 41 an die Steilküste des Cap Gris-Nez. Calais ist nicht weit. Der erste Mensch, der den Ärmelkanal durchschwommen hat, fällt seinen Begleitern erschöpft in die Arme. In England überbieten sich die Zeitungen mit ihren Schlagzeilen. Captain Webb ist das jetzt egal. Er will nur noch schlafen. Fast 24 Stunden macht der Brite das, er hat leichtes Fieber. Seine Rückkehr nach Dover und Großbritannien wird zu einem Triumpf. Menschenmassen warten auf ihren Helden und singen „See the Conquering Hero Comes“. Die Londoner Börse richtet eine Art Spendenkonto für den „Teufelskerl“ ein. Der Schwimmer kassiert gut 2.400 britische Pfund, heute gut 300.000 Euro. Webb ist jetzt eine Marke. Sein Name leuchtet auf Seifen, Zigarettendosen und Broschüren. Er wird zu einer lebenden Attraktion. Zu einem schwimmenden Show-Star.

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