Richtig unverfroren

Richtig unverfroren

 5. Januar 2022

Tiefster Winter kann sehr faszinierend sein

Schön sieht die Kälte ja schon aus… zumindest, wenn sie sichtbar wird. An Eiszapfen und in verschneiten Landschaften. Nur Frieren, das mag kaum jemand. Die meisten empfinden das Schlottern als bestenfalls unangenehm. Dabei ist das Frieren nichts anderes als negatives Schwitzen. Stimmt nicht so ganz. Also ein Blick in die Welt der Temperaturen in die Physik. Der hilft dabei zu verstehen, was Kälte ist: Eine Materie, wenn sie wenig oder kaum Energie in sich trägt. Wie die Luft im Winter.

Bewegende Kälte

Die Sonne scheint nicht sonderlich lange und intensiv. Die Folge ist Kälte, auch bittere. Lange Nächte, kurze Tage, mehr oder weniger Wind und eine grell-weiße Schneedecke, die große Teile der wenigen Sonnenwärme auch noch „weg“-reflektiert. Dieses Weniger an Energie spüren wir als Kälte. Wobei der Mensch als objektives Thermometer nicht sonderlich geeignet ist. Homo sapiens nimmt zumeist lediglich Temperatur-Unterschiede wahr.

„Warnung vor dem Kältetod“

Das kennt jeder: Du kommst aus einem gut geheizten Raum an die frische Luft, die mit fünf Grad vielleicht noch vergleichsweise mild ausfällt. Dennoch frieren wir eher, als wären wir vorher schon länger draußen gewesen. „Letztlich handelt es sich beim Frieren um einen lebenswichtigen Schutz-Mechanismus“, sagt der Hamburger Sportmediziner Klaus-Michael Braumann. „Damit warnt uns der Körper vor dem Kältetod.“

Wenn die Haare stehen, erinnern wir uns an Urzeiten

Mehr als 200.000 Kälterezeptoren auf der Hautoberfläche leiten bei Kälte Temperatur-Informationen mit rasender Geschwindigkeit ans Hirn. Die grauen Zellen wiederum senden als prompte Reaktion den Befehl aus: Blutgefäße zusammenziehen. So entweicht weniger Wärme über die Haut. Außerdem stellen sich unsere Körperhaare auf. Mediziner Braumann weiß auch warum.

Schaudern oder Schauer? Gänsehautfeeling

„Damit erinnert sich das Hirn an Urzeiten. Damals hatte der Mensch noch Fell, in dem sich wärmende Luftschichten ansammelten.“ Nur: Von dem Pelz ist nach Tausenden von Jahren der Evolution nicht mehr übrig als die vergleichsweise wenigen Körperhaare. Deshalb bekommen wir Gänsehaut, die sonst keinerlei hilfreiche Nebeneffekte hat. Immerhin zündet die nächste Stufe: Unsere Muskeln beginnen zu zittern. Anspannen, entspannen, anspannen, entspannen… mit hohem Tempo – produziert Wärme. „Damit wir rasch wieder in den Wohlfühlbereich zurückkehren“, so Braumann.

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