Gedanken

  • Herzschmerz

    Herzschmerz

    Erst Herzprobleme, dann Untersuchungen, schließlich die Entwarnung: Sport? Ohne Einschränkungen. Eisschwimmen? Auch das. Nur eine Frage bleibt offen: Was hat die Beschwerden ausgelöst? Eine Suche mit Verunsicherung.

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    Vor einigen Wochen. Das Herz schmerzt. Es ist kein Liebeskummer? Oder war es im Grunde doch genau der? Hinter mir liegen jedenfalls anstrengende Wochen. Beruflich. Privat. Viel Arbeit und Stress, wenig Ruhe.

    Dann komme ich von einer Reise aus den Bergen zurück. Spät am Abend. Schon die Bahnfahrt nach Hause ist alles andere als entspannend. Gehört inzwischen wohl dazu. Sage ich mir jedenfalls. Die Nacht ist unruhig.

    Alles gut?

    Am nächsten Morgen wache ich mit einem beklemmenden Gefühl in der Brust auf. Enge. Atmen fällt schwer. Mein Herz zickt. Nicht zum ersten Mal. Schon in den Wochen zuvor hatte ich ähnliche Momente. Ich habe sie abgetan. Wird schon wieder. Diesmal will ich nicht verschieben. Es ist Samstag. Ich rufe den Notarzt. Was folgt, ist das ziemlich umfängliche Programm des deutschen Gesundheitssystems.

    Notfall-EKG, Klinik, Untersuchungen. Kein Herzinfarkt. Immerhin. Danach Hausärztin, Kardiologe, wieder EKG, Ultraschall, CT, schließlich Herzkatheter. Das Ergebnis: nichts.

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  • Die Momentaufnahme

    Die Momentaufnahme

    Ein abgesägter Ast liegt ausbalanciert auf einem Stein mitten im Bach. Ein zufälliges Bild bei einem Waldspaziergang – und plötzlich kreisen Gedanken um die Mitte. Wo liegt sie? Ansichten ohne viele Bilder.

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    Neulich im Wald. Ich spaziere an einem Bach entlang. Die Trockenheit ist sichtbar. Nur wenig Wasser gurgelt durch das Bachbett. Felsblöcke liegen im Matsch. Vor einem großen Stein bleibe ich stehen und schaue genauer hin. Auf dem Rundling liegt ein abgesägter Ast aus Birkenholz. Gekonnt ausbalanciert. Er ruht in der Mitte.

    Vermutlich nur bis zum nächsten Hochwasser. Denn das kommt bestimmt. Dieses Bild beschäftigt mich. Eine Frage schießt mir durch den Kopf: Was bedeutet es eigentlich, in Balance zu sein?

    Zwischen zwei Seiten

    Von der Mitte lesen und hören wir immer wieder. Damit meine ich nicht einmal nur die politische Dimension, obwohl sie derzeit heftig diskutiert wird. Oft gilt die Mitte als Fundament gelebter Demokratie. Aber auch sie braucht zwei Seiten, zwischen denen sie sich befindet. Was also ist die Mitte?

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  • So ein Schweinehund…

    So ein Schweinehund…

    Er sitzt schon da, bevor wir überhaupt aufstehen. Der innere Schweinehund – treu, überzeugend und erstaunlich träge. Wie schafft er es, die Dinge auszureden, die uns guttun. Im Job, im Sport und anderswo…

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    Die Marathon-Saison hat begonnen. Im April finden überall zahlreiche Läufe über die legendären 42,195 Kilometer statt. Hamburg, Leipzig, London, Wien oder Freiburg. Was die meisten Teilnehmenden vereint: Sie haben ihren inneren Schweinehund längst verdrängt.

    Jenes seltsame, typisch deutsche Wesen, das jede körperliche Anstrengung scheut wie der Teufel das Weihwasser. Der ausländische Mitbürger muss ihn zunächst erst einmal kennenlernen. In kaum einer anderen Sprache gibt es vergleichbare Ausdrücke.

    Erstaunlich wirksam

    Im Englischen existiert kein „inner pig-dog“, im Spanischen kein „perro-cerdo interior.“ Zumindest nutzen viele Sprachen keine tierischen Metaphern für die Umschreibung des schwachen Willens, der Trägheit oder Faulheit.

    Im deutschsprachigen Raum haben wir ein Tier dafür erschaffen, das weder richtig bellen noch ordentlich grunzen kann – und trotzdem erstaunlich wirksam ist. Doch wie sieht er eigentlich aus, dieser Schweinehund?

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  • Giftiges Glück

    Giftiges Glück

    Er ist schön anzusehen, giftig und seit Jahrhunderten Symbol des Glücks: der Fliegenpilz. So vertraut wie rätselhaft und voller Widersprüche. Ein Sinnbild für verborgenes Miteinander, das Großartiges wachsen lässt. Wenn wir uns nur irgendwie verständigen.

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    Nur langsam verschwindet der Frühdunst im Wald. Unter meinen Schuhen rascheln Blätter, knacken kleine Äste, schmatzt der nasse Boden. Aus dem sattgrünen Moos trieft das Regenwasser der vergangenen Nacht.

    An diesem Oktobermorgen spaziere ich allein durch den Forst. Ein paar Sonnenstrahlen dringen als schleierhafte Lichtkegel durch das Dickicht – an einigen Stellen bis zum Boden. Links und rechts Halbschatten. Keine zwei Meter von mir entfernt leuchten rote Kappen mit weißen Punkten. Fliegenpilze. Ich bleibe stehen, knie mich hin, streiche über den roten Hut eines üppigen Exemplars. Die weißen Flocken sind trocken und brüchig.

    Gelebter Widerspruch

    Amanita muscaria (lat. Name) weckt Kindheitserinnerungen – und löst einen Zwiespalt aus. Fliegenpilze gelten als Glücksbringer, aber auch als giftig. Wie passt das zusammen? Als Junge habe ich nie wirklich darüber nachgedacht. An diesem Oktobertag aber wabert dieser Widerspruch durch meine grauen Zellen. Warum ausgerechnet heute? Rätselhaft. Vielleicht liegt es an der Gegenwart, die ich als eine Zeit der intensiv erlebten Widersprüche empfinde. Eine einerseits-keinesfalls-andererseits-Phase.

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