Natur

  • Metropole & Moor

    Metropole & Moor

    Mitten in der Millionenstadt Hamburg findet sich ein ganz besonderes Naturschutzgebiet. Das Eppendorfer Moor! Es liegt zwischen Alsterlauf und Airport. Ein kleiner Streifzug durch urbane Artenvielfalt.

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    Der Morgendunst hängt noch schwer über der Wasser-oberfläche. Im Schilf raschelt es, irgendwo ruft ein Zilpzalp. Der Geruch von Schlamm mischt sich mit dem süß-herben Aroma blühender Glockenheide.

    Ich bin im Eppendorfer Moor. Wenige Meter neben mir, fast verborgen im Birken-Erlenbruch, glänzt ein brauner Moorfrosch im ersten Sonnenlicht. Hier, zwischen Flughafen und Großstadtverkehr, beginnt eine andere Welt – still, verletzlich und doch voller Leben.

    Im Frühjahr ist das Eppendorfer Moor so herrlich wild

    Ich kenne das Moor zu jeder Jahres-zeit. Im beginnenden Frühling habe ich am Teich schon einmal einen Eisvogel zu Gesicht bekommen. Im Sommer schwirren Libellen in der warmen Luft, im Herbst färben sich die Birkenblätter golden.

    Moor und Moose

    Im Winter bedecken Eiskristalle Pflanzen und schmale Wege. Märchenhaft. Manchmal lässt sich auch ein Mäusebussard hören.

    Mehr als 320 Pflanzenarten wachsen hier – vom Schilfröhricht über Glockenheide bis zum seltenen Sumpf-Blutauge. Auch der Gagelstrauch hat hier noch einen Platz, ebenso wie Moose. Manche von ihnen haben sich in Hamburg rar gemacht.

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  • Liebe auf den ersten Blick

    Liebe auf den ersten Blick

    Hoch oben, wo der Bartgeier seine Kreise zieht und die Gletscher zum Greifen nah erscheinen, führt Lenka Mazurkova das Ramolhaus. Mit viel Herz, pädagogischem Geschick und einer großen Portion Leidenschaft für die Berge.

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    Der Wind pfeift um die Felsnase unterhalb des Ramolkogels, 3.006 Meter über dem Meer. Schräg gegenüber glitzert der Gurglerferner. Hier oben ist das Reich von Lenka Mazurkova.

    Seit vier Sommern ist die gebürtige Tschechin Hüttenwirtin auf dem Ramolhaus – Hamburgs höchstgelegenem Gebäude. Es gehört der Alpenvereinssektion Hamburg-Niederelbe. „Als ich das erste Mal hierher kam, war es Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Lenka Mazurkova.

    2021 hilft sie zunächst nur einen Monat aus, dann will es der Zufall – oder besser „das Schicksal so.“ Am Valentinstag 2022 kommt die Anfrage, ob sie die Hütte übernehmen wolle. „Ich habe sofort Ja gesagt.“ Lenka stammt aus dem Flachland Tschechiens. Die Berge lernt sie aber schon als Kind in der Hohen Tatra kennen.

    Von der Tatra in die Alpen

    Noch während des Studiums arbeitet die junge Frau auf den Hütten im slowakischen Teil der Tatra. Anfangs auch als Lastenträgerin. Das hat im kleinsten Hochgebirge der Welt Tradition. Dutzende Männer und Frauen schleppen hier auf Kraxen all das auf die Schutzhäuser, was nötig ist: Bierfässer, Konservendosen, Baumaterial und Lebensmittel. „Die ganz schweren Lasten habe ich nicht getragen“, erzählt Lenka Mazurkova.

    „Ich habe schnell gemerkt, dass das für Frauen eine eher ungeeignete Aufgabe ist.“ Das hat die Tschechin aber nicht davon abgehalten, unbeirrt ihren Weg zu gehen.

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  • Jetzt erst recht

    Jetzt erst recht

    Pläne sind solange gut, bis ein neuer nötig wird. So ist es jetzt geschehen. Ursprünglich sollten und wollten wir jetzt in Kirgistan sein. Aber ein Virus hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Leider.

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    Kirgistan begleitet uns seit Monaten in den Träumen. Mich sogar schon seit fast 20 Jahren. Durch den Zufall lese ich damals eine Novelle von Tschingis Aitmatow.

    Du meine Pappel im roten Kopftuch aus dem Jahr 1961. Eine Liebesgeschichte ohne glückliches Ende. Ich lese Der weiße Dampfer und Dshamilja. Aitmatow beschreibt darin seine Heimat, die Kultur, das Himmelsgebirge und die Weite der Graslandschaften. Fröhlich melancholisch und bildhaft berührend. Kirgistan ist seither ein Sehnsuchtsziel für mich. Mit den schneebedeckten Spitzen im Himmelsgebirge.

    天山山脉

    Das Tian Shan erstreckt sich auf gut 2.400 Kilometern über Kirgistan, China, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan. Die höchsten Gipfel ragen mehr als 7.400m in den zentralasiatischen Himmel. Nun wollten wir dorthin. Alles war geplant, gebucht, gepackt. Stattdessen liegen wir jetzt mit einem Virus flach.

    Kein Aufbruch ins Tian Shan (天山山脉), keine Nächte in Jurten, kein Schwumm im Issyk-Kul. In jenem riesigen See, der ca. 180 Kilometer lang ist und trotz seiner Lage auf 1.600 Metern so gut wie nie zufriert. Und kein Zeltlager auf knapp 4.000m. Stattdessen Tabletten, Tee und Traurigkeit. Wir hatten uns fast ein Jahr lang vorbereitet. Karten studiert, Geschichten gehört und Ausrüstung getestet. Wir wollten eintauchen in eine Welt, die uns fremd und zugleich nah erscheint.

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  • Zurück nach vorne

    Zurück nach vorne

    Sanduhren sind magisch. Sie zeigen sehr plastisch an, wie rasch das vergeht, was wir als Zeit bezeichnen. Also jene physikalische Größe, die die Abfolge von Ereignissen beschreibt. Wie die von Ende Juli 2015.

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    Als ich vor zehn Jahren oberhalb von Monaco stehe, habe ich Tränen in den Augen. Die Stimme ist brüchig, die Klamotten sind verschlissen, im Kopf rumpelt eine große Achterbahn.

    Die vergangenen drei Monate waren ein Auf und Ab im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe die An- und Abstiege nicht gezählt. Es waren viele, sehr viele. Beschwerlich und anstrengend zwar, aber ein Abenteuer. Keinen Tag, keine Stunde, keine Sekunde möchte ich missen. Drei Monate voller Erlebnisse und Begegnungen. Stille Momente, Zeit zum Sortieren, ein Vierteljahr als Glück empfundene Freiheit.

    Erlebnisse für ein ganzes Buch

    In diesen rund 7,8 Millionen Sekunden lerne ich auf dem Weg von Maribor nach Monaco mehr, als das vorher auch nur ansatzweise absehbar war. Natürlich hatte ich nicht auf dem Schirm, dass daraus ein Buch entstehen würde. Ein langer Text zwischen zwei Deckeln. 252 Seiten, mit Bildern und Randnotizen. Gut ein Jahr Arbeit für eine sehr persönliche Erzählung über die Höhen und Tiefen des Lebens. Mit mancher Selbsterkenntnis. Was treibt Menschen an, welche Bedürfnisse haben sie, befriedigen sie ihre Sehnsüchte oder jagen sie nur Vorgaben anderer nach? Wo bleibt das, was so viele vermissen: Die Selbstbestimmtheit. Entscheiden können über das eigene Leben. Handmade Regelwerk statt gesellschaftlicher Normen und Verpflichtungen. Und fast schon poetisch über den Kreislauf der Natur. Die Schönheit, die Faszination, die Brutalität. Im Angesicht von Gipfeln, Graten und Gletschern fließen Verse, wie diese:

    Aus einer vielleicht etwas ungewöhnlichen Perspektive. Aus der Sicht des „BLAUEN TIGERS“… . Er schildert seine Eindrücke über die Mammuttour von Maribor nach Monaco. Drei Monate zu Fuß über die Alpen. Damit ist „Der blaue Tiger“ weltweit vermutlich der erste Rucksack, der seine Erlebnisse schriftlich verarbeitet hat. Und so beginnt das Buch, wie es sich gehört, mit einem Prolog. Ein bisschen keck. Ein wenig vorlaut und sehr direkt.

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