Naturschutz

  • WATT ein WELTERBE

    WATT ein WELTERBE

    Das Wattenmeer ist ein vergleichsweise junges Ökosystem. Etwa 8.000 Jahre alt. Erst seit gut drei Monaten leitet Franziska Junge die Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer in Tönning. Ein Gespräch über Schlick, Insekten und ein Welterbe.

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    Franziska Junge steht unter einem Pottwal-Skelett und schaut nach oben. 17 Meter Knochen. Rippen, Wirbel, Zähne. Ein Tier, das normalerweise in großen Tiefen lebt. Gefährlich wird es für das riesige Säugetier dort, wo das Meer flach wird. Auch im Wattenmeer.

    Draußen vor dem Multimar Wattforum in Tönning kreischen Möwen über dem Hafenbecken. Drinnen spricht Franziska Junge über einen Landschaftsraum, der niemals stillsteht. Ebbe. Flut. Strömungen. Schlick. Wind. Mehr als 4.000 Quadratkilometer Nationalpark. Das entspricht einer Fläche von etwa 560.000 Fußballfeldern. Eine riesige Aufgabe, all das zu schützen. Seit wenigen Monaten leitet Franziska Junge den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Ihr neuer Lebensmittelpunkt.

    Die Schatzsucherin

    Ein Ort, der sie aber schon deutlich länger begleitet. Zuletzt im Umweltministerium in Kiel. Geboren wurde Franziska Junge in Thüringen, in der Gegend von Gera. Ans Meer zog es sie trotzdem früh. Sommerferien in Rostock. Verwandtschaft in Hamburg. Muscheln und Steine in den Jackentaschen. „Diese Leidenschaft ist geblieben. Schon als Mädchen waren meine Augen sehr oft auf den sandigen Untergrund am Strand gerichtet.

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  • Der stille Gestalter

    Der stille Gestalter

    Er ist ein „Überzeugungstäter.“ Herbert Wölger, studierter Forstwirt, führt seit vielen Jahren den Nationalpark Gesäuse in der Steiermark – mit ruhiger Hand, ausgleichender Art und mit möglichst überzeugenden Argumenten. Das Ziel: Ein Miteinander von Natur und Mensch.

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    Wer Herbert Wölger begegnet, spürt schnell: Dieser Mann braucht keine großen Gesten. Der Direktor des Nationalparks Gesäuse spricht leise, wägt ab und findet Worte, die nachschwingen.

    „Man kann den Fluss nicht anhalten, man kann ihn nur begleiten“, sagt er, während die grünblauen Wassermassen der Enns unter der Holzbrücke vorbeirauschen. Ein Satz wie ein Aphorismus – und zugleich Programm. Wölger denkt Natur nicht in Kategorien von Beherrschung, sondern von Respekt. Der 1960 in Ardning bei Admont geborene Forstwirt ist ein Naturmensch. Schon früh zieht es ihn hinaus, weg von Hörsälen und Theorie, hinein in die Wälder. Einige Jahre verbringt er in Argentinien.

    Der leise Ausgleich

    Mit Gleichgesinnten versucht der Experte an der Grenze zu Bolivien, Waldgebiete vor der Abholzung zu bewahren. Das Projekt scheitert. Aber: Wölger lernt dort, wie komplex Naturschutz sein kann.

    „Wenn man Menschen überzeugen will, muss man ihre Lebensrealitäten ernst nehmen.“ Radikale Lösungen taugen wenig, Kompromisse dagegen tragen. Ausgleich, Konsens, Sachlichkeit – mit leisen Zwischentöne.

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  • Natürlich wild

    Natürlich wild

    Was passiert, wenn Natur wieder Natur sein darf – und Menschen lernen, ihr zuzuhören? Dann könnte so etwas entstehen, wie im Gesäuse in der Steiermark. Dort sind Naturschutz und Tourismus keine Gegenspieler, sondern Partner.

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    Unter der schmalen Holzbrücke gurgelt es. Der Johnsbach strömt, schleift Kies und rollt Steine Richtung Enns. Rolling Stones mitten in der Steiermark.

    Herbert Wölger (l) ist Geschäftsführer des Nationalparks Gesäuse

    Einst war der Johnsbach begradigt und technisch gebändigt. Heute darf er wieder fließen. „Ein echter, schöner Wildbach ist er geworden“, sagt Herbert Wölger, Geschäftsführer des Nationalparks Gesäuse. „Fischotter, Bachforelle – alles wieder da.“ Der studierte Forstwirt lehnt sich an das Geländer und deutet auf eine Stelle am Ufer, kurz vor der Einmündung des Johnsbaches in die Enns.

    Unversaut schweißtreibend

    „Da befindet sich ein Mikrofon. Es nimmt das Klackern der Steine auf, die über den Grund rollen.“ Je lauter das Geräusch, desto mehr Material transportiert der Bach. Forschende der Universität für Bodenkultur in Wien werten die Daten aus. Sie wollen verstehen, wie der Bach sich und angrenzende Bereiche verändert. Wissenschaft ist Beobachtung.

    Im Gesäuse haben das viele Menschen in einem langen Prozess offenbar verstanden. Im Xeis, wie es die Einheimischen nennen, begegnen sich Natur und Mensch auf vergleichsweise engem Raum. Sylvia Hofbauer vom Tourismusverband sagt: „Wir sind froh, dass das Gesäuse unversaut und schweißtreibend geblieben ist. Das grenzt unsere Gästeklientel automatisch ein.“ Hofbauer sieht das nicht als Makel.

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