Steiermark

  • Kurzentschlossene erleben mehr

    Kurzentschlossene erleben mehr

    Ein freier Nachmittag, ein Schritt nicht auf, sondern in den Berg: In die Lurgrotte bei Peggau in der Steiermark. Wo die Zeit eine andere Dimension hat. Zwischen Kalkzapfen, Höhlenbär und Wasserläufen. Eine Unterwelt, die sich nur langsam erschließt.

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    Manchmal braucht es nicht mehr als ein freies Zeitfenster und eine spontane Entscheidung. Wie neulich. Ich stehe in Peggau vor dem Eingang der Lurgrotte, die Mur rauscht irgendwo unten im Tal, und ich denke: Rein da.

    90 Minuten später werde ich wieder draußen sein. Verzaubert. Die Eindrücke aus der großen Tropfsteinhöhle schwingen nach. Aber der Reihe nach. Helmut Schaffler wartet schon. Staatlich geprüfter Höhlenführer ist er, einer mit Routine und besonderem Schmäh.

    „Bleibt auf den Steigen“

    „Zu Ostern geht’s los, bis Oktober. Hunderte Führungen“, sagt er und grinst. Dann geht es hinein. Zehn Grad. Konstant. Das gesamte Jahr über.

    Die Schritte hallen, Wasser rauscht, von den Felsgewölben tropft es leicht. Mit jedem Meter verschiebt sich mein Gefühl für Zeit. Tropfsteine wachsen hier nicht im Eiltempo – sie entstehen. Langsam. Unaufhaltsam. „Leute, bleibt’s bitte auf den Steigen“, sagt Schaffler. „Das tun sie leider nicht immer. Es gibt Unbelehrbare.“

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  • Glückliche Ungewissheit

    Glückliche Ungewissheit

    Ostern. Zeit für Neubeginn – heißt es. Aber was bedeutet das wirklich? Auf meiner letzten Reise zeigt sich: Auferstehung passiert nicht im Großen, sondern in der Gegenwart des Gewöhnlichen. Und im Glück, immer wieder aufzustehen.

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    Eine unruhige Nacht, wilde Träume, erschlagen am Morgen. Kennt Ihr das? Und dann schaust du ganz früh aus dem Fenster. Der Wind treibt dunkelblaue Wolken über die bewaldeten Höhen rund um Peggau. Was wird das wohl für ein Tag werden? Ein neuer und ungewisser.

    Ich bleibe noch einen Moment liegen. Zwischen Resten der Nacht und dem, was kommt. Noch umgibt mich Müdigkeit, ein leiser Widerstand. Und doch zieht etwas nach draußen. Ist es die Peggauer Wand? Das Naturschutzgebiet, in dem Wanderfalken, Fledermäuse und Uhus leben? Kletterer und Naturschützer liegen hier öfter mal im Clinch. Streit ist für mich heute früh kein Lockvogel.

    Gewiss kein Traum

    Für mich sind es heute früh die kühle Luft, die Bewegung der Wolken, dieses erste, noch ungeordnete Licht, die mich nach draußen locken. Und eine gewisse Ungewissheit, die nicht lähmt. Weil sie offen ist. Ich raffe mich auf. Schuhe, Jacke, ein erster Schritt vor die Tür. Die Luft ist kühl, klar, fast scharf. Jeder Atemzug holt mich zurück. Weg von den Träumen, hinein in den Morgen.

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  • Auf alle Fälle

    Auf alle Fälle

    Fünf Wasserfälle. Fünf Fallstudien. Vom heilsamen Mikroklima in Partschins bis hin zum Königsbachfall in Bayern. Alle zeigen, wie fragil diese Urkraft der Natur ist. Auf der Spur des fallenden Wassers und der Energie des Lebens.

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    Wasserfälle sind mehr als nur herabstürzendes H2O. Sie sind Bewegung und Moment des Wandels. Seit jeher stehen die Kaskaden für Reinigung, für Neubeginn, für Kraft und sich im Fluss des Lebens fallen zu lassen.

    Wenn Wasser in die Tiefe rauscht, höre ich Energie. Tosend, unaufhaltsam und zerstäubend – immer lebendig. Für mich sind Wasserfälle Orte, an denen die unablässige Bewegung Demut einflößt. Orte, an denen ich tief atmen kann.

    Aus der Höhe in die Tiefe

    Wasserfälle zeigen symbolisch etwas, das im Alltag oft verloren geht: den Moment des Loslassens, des freien Falls. Alles wollen wir kontrollieren, festhalten, bestimmen, lenken. Es existieren aber Strömungen, gegen die wir nicht ankommen. Mit ihnen vielleicht.

    Die Energie des Miteinanders können und sollten wir nutzen. Denn: Verschwinden wird diese Urkraft nie. Zum Glück. Wie viele Wasserfälle es im deutschsprachigen Raum gibt, lässt sich kaum exakt beziffern – es sind Tausende.

    Aber das passt. Wasserfälle entziehen sich einer exakten Vermessung. Weil Wetter und Niederschlagsmengen höchst unterschiedlich daherkommen. Hier stelle ich fünf Wasserfälle vor, die ich besucht habe. Fünf Orte, die mich daran erinnern, dass Erholung kein Luxus ist – sondern Voraussetzung für ein lebenswertes Leben. Mal prickelnd und erfrischend. Mal Furcht einflößend und ungezähmt. Aber immer zumindest feucht. Mit allen Höhen und Tiefen. Von Südtirol bis Südbayern.

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  • Grazie Graz

    Grazie Graz

    Das Mountainfilm Graz ist das älteste Festival seiner Art in Österreich. Mitte November war ich zum ersten Mal dabei. Und beeindruckt. Nicht nur von der Vielzahl der Filme, sondern auch vom Themenspektrum und der Organisation.

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    Robert Schauer sitzt im Akkreditierungsbüro. Die ersten zwei Tage seines Berg- und Abenteuerfilmfestivals liegen schon hinter ihm. Der 72-jährige Grazer wirkt ein bisschen müde.

    „Gestern Abend ging es ziemlich lang“, lächelt er. Dann steht er auf, reibt sich kurz die Augen und begrüßt den Neuankömmling. „Ah, der Hamburger Podcaster ist eingetroffen. Herzlich willkommen.“ Robert Schauer – in Graz geboren, selbst ein herausragender Bergsteiger, Filmemacher und Gründer des Mountainfilm.

    Steile Entwicklung

    Dreimal stand er auf dem Mount Everest, insgesamt fünf Achttausender hat er bestiegen, darunter den Makalu und den Broad Peak. 1986 hat Schauer das Film-Festival ins Leben gerufen. Anfangs heißt es noch internationales Grazer Bergfilmfestival. Es gibt seinerzeit 64 Einreichungen aus elf Ländern. Nächstes Jahr feiert das Festival 40. Geburtstag. In diesen vier Jahrzehnten hat sich das Mountainfilm einen wohlklingenden Namen erarbeitet. „Das macht mich sehr froh“, sagt Schauer. „Zumal Finanzierung und Organisation sicher nicht leichter geworden sind.“

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