Wald

  • Der stille Gestalter

    Der stille Gestalter

    Er ist ein „Überzeugungstäter.“ Herbert Wölger, studierter Forstwirt, führt seit vielen Jahren den Nationalpark Gesäuse in der Steiermark – mit ruhiger Hand, ausgleichender Art und mit möglichst überzeugenden Argumenten. Das Ziel: Ein Miteinander von Natur und Mensch.

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    Wer Herbert Wölger begegnet, spürt schnell: Dieser Mann braucht keine großen Gesten. Der Direktor des Nationalparks Gesäuse spricht leise, wägt ab und findet Worte, die nachschwingen.

    „Man kann den Fluss nicht anhalten, man kann ihn nur begleiten“, sagt er, während die grünblauen Wassermassen der Enns unter der Holzbrücke vorbeirauschen. Ein Satz wie ein Aphorismus – und zugleich Programm. Wölger denkt Natur nicht in Kategorien von Beherrschung, sondern von Respekt. Der 1960 in Ardning bei Admont geborene Forstwirt ist ein Naturmensch. Schon früh zieht es ihn hinaus, weg von Hörsälen und Theorie, hinein in die Wälder. Einige Jahre verbringt er in Argentinien.

    Der leise Ausgleich

    Mit Gleichgesinnten versucht der Experte an der Grenze zu Bolivien, Waldgebiete vor der Abholzung zu bewahren. Das Projekt scheitert. Aber: Wölger lernt dort, wie komplex Naturschutz sein kann.

    „Wenn man Menschen überzeugen will, muss man ihre Lebensrealitäten ernst nehmen.“ Radikale Lösungen taugen wenig, Kompromisse dagegen tragen. Ausgleich, Konsens, Sachlichkeit – mit leisen Zwischentöne.

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  • Im Regenwald

    Im Regenwald

    Ein Spaziergang im Regen – mitten im Niendorfer Gehege in Hamburg, wo die Bäume trinken, atmen und erzählen. Zwischen Pfützen und Tropfen zeigt sich, wie Stadt und Wald miteinander verbunden sind. Eine Einladung, sich über Regen zu freuen.

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    Bei Sonnenschein kann’s jeder. Wenn die Pfade trocken sind, die Eichhörnchen herumflitzen und das Licht golden durch die Blätter leuchtet, dann zieht es halb Hamburg in einen der vielen Wälder der Hansestadt.

    Heute hat der Himmel beschlossen, ernst zu machen. Regen, stetig, schnörkellos, begleitet von einem Wind, der nach Norden schmeckt. Ich ziehe die Kapuze fester und trete ein ins Niendorfer Gehege. Man könnte auch sagen, hinein in das, was ich mit gutem Willen „Wetter“ nenne – und was Hydrologen nüchtern als „Niederschlag“ bezeichnen. Der Boden gluckst. Neben mir die Kollau, jener Bach, der das Niendorfer Gehege entwässert. Jeder Schritt klingt wie ein schmatzender Seufzer.

    Tropfendes Tempo

    Der Wald trinkt. Auf den glatten Buchen-rinden läuft das Regenwasser in silbrigen Rinnsalen hinab, sammelt sich in Astgabeln, tropft ab, verteilt sich auf das, was darunter wächst. Ein kompliziertes, aber perfektes System. Die Wissenschaft nennt das Interzeption: Ein Teil des Regens wird in den Baumkronen aufgefangen, verdunstet wieder oder gelangt verzögert auf den Boden. Für mich ist es ein Schauspiel aus Tropfen und Zeit. Wald hat sein eigenes Tempo.

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  • Giftiges Glück

    Giftiges Glück

    Er ist schön anzusehen, giftig und seit Jahrhunderten Symbol des Glücks: der Fliegenpilz. So vertraut wie rätselhaft und voller Widersprüche. Ein Sinnbild für verborgenes Miteinander, das Großartiges wachsen lässt. Wenn wir uns nur irgendwie verständigen.

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    Nur langsam verschwindet der Frühdunst im Wald. Unter meinen Schuhen rascheln Blätter, knacken kleine Äste, schmatzt der nasse Boden. Aus dem sattgrünen Moos trieft das Regenwasser der vergangenen Nacht.

    An diesem Oktobermorgen spaziere ich allein durch den Forst. Ein paar Sonnenstrahlen dringen als schleierhafte Lichtkegel durch das Dickicht – an einigen Stellen bis zum Boden. Links und rechts Halbschatten. Keine zwei Meter von mir entfernt leuchten rote Kappen mit weißen Punkten. Fliegenpilze. Ich bleibe stehen, knie mich hin, streiche über den roten Hut eines üppigen Exemplars. Die weißen Flocken sind trocken und brüchig.

    Gelebter Widerspruch

    Amanita muscaria (lat. Name) weckt Kindheitserinnerungen – und löst einen Zwiespalt aus. Fliegenpilze gelten als Glücksbringer, aber auch als giftig. Wie passt das zusammen? Als Junge habe ich nie wirklich darüber nachgedacht. An diesem Oktobertag aber wabert dieser Widerspruch durch meine grauen Zellen. Warum ausgerechnet heute? Rätselhaft. Vielleicht liegt es an der Gegenwart, die ich als eine Zeit der intensiv erlebten Widersprüche empfinde. Eine einerseits-keinesfalls-andererseits-Phase.

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  • Der bescheidene Saarländer

    Der bescheidene Saarländer

    Wer die höchste natürliche Erhebung im Saarland sucht, muss Geduld haben. Hätten kluge Menschen dort nicht ein Schild mit eben jener Angabe aufgestellt – man würde es nicht bemerken und schnurstracks daran vorbeilaufen. Der Dollberg ist dennoch ein Highlight, allerdings eines, das keines zu sein scheint. Umringt von Bäumen, bietet sich hier oben keine Fernsicht. Der 695,4 Meter hohe Gipfel führt ein Schattendasein. Zu Unrecht.

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