Wenn das UND fehlt

Luis kehrt nicht ins Hochlager zurück. Fünf Tage bleibt er vermisst. Alix organisiert von Füssen aus Hilfe, telefoniert, schreibt, funktioniert. „Ich war völlig im Tunnel.“ Schließlich wird Luis gefunden. Alix fliegt mit ihrem Bruder Philipp nach Kathmandu, um Abschied zu nehmen.

Gut drei Jahre später gehen wir gemeinsam durch den Wald bei Füssen. Wir sprechen auf einer Bank über einen Verlust, der sich kaum in eine Maßeinheit packen lässt. Alix hat trotzdem ein Bild dafür. Seit Luis’ Tod, sagt sie, trage sie keinen Tagesrucksack mehr durchs Leben, sondern einen Expeditionsrucksack für Wochen, Monate, Jahre. „Manchmal ist er verdammt schwer.“ Vielleicht spielt Wasser für die gebürtige Hamburgerin deshalb inzwischen eine besondere Rolle.

Seelisches Wildwasser

Im Sommer fährt Alix abends mit dem Rad zum Forggensee, eine Runde schwimmen. Inzwischen ein Ritual. Im Wasser entstehen gute Momente. Selbst wenn ein Tag bis dahin miserabel war. „Trauer“, sagt Alix, „kommt in Wellen.“ Wie im Meer oder in einem See. Manchmal sind es zerstörerische Tsunamis. Freude und Trauer liegen nur Sekunden auseinander. Auf und ab. Unfreiwillig. Es fühlt sich wie eine seelische Wildwasserfahrt an.

Ein großartiger Tag in den Bergen, beseelt nach Hause kommen – und wenig später auf dem Sofa sitzen und weinen. „Trauer ist Liebe, die kein Zuhause mehr hat“, sagt Alix irgendwann.

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