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  • So ein Schweinehund…

    Er sitzt schon da, bevor wir überhaupt aufstehen. Der innere Schweinehund – treu, überzeugend und erstaunlich träge. Wie schafft er es, die Dinge auszureden, die uns guttun. Im Job, im Sport und anderswo…

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    Die Marathon-Saison hat begonnen. Im April finden überall zahlreiche Läufe über die legendären 42,195 Kilometer statt. Hamburg, Leipzig, London, Wien oder Freiburg. Was die meisten Teilnehmenden vereint: Sie haben ihren inneren Schweinehund längst verdrängt.

    Jenes seltsame, typisch deutsche Wesen, das jede körperliche Anstrengung scheut wie der Teufel das Weihwasser. Der ausländische Mitbürger muss ihn zunächst erst einmal kennenlernen. In kaum einer anderen Sprache gibt es vergleichbare Ausdrücke.

    Erstaunlich wirksam

    Im Englischen existiert kein „inner pig-dog“, im Spanischen kein „perro-cerdo interior.“ Zumindest nutzen viele Sprachen keine tierischen Metaphern für die Umschreibung des schwachen Willens, der Trägheit oder Faulheit.

    Im deutschsprachigen Raum haben wir ein Tier dafür erschaffen, das weder richtig bellen noch ordentlich grunzen kann – und trotzdem erstaunlich wirksam ist. Doch wie sieht er eigentlich aus, dieser Schweinehund?

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  • Glückliche Ungewissheit

    Glückliche Ungewissheit

    Ostern. Zeit für Neubeginn – heißt es. Aber was bedeutet das wirklich? Auf meiner letzten Reise zeigt sich: Auferstehung passiert nicht im Großen, sondern in der Gegenwart des Gewöhnlichen. Und im Glück, immer wieder aufzustehen.

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    Eine unruhige Nacht, wilde Träume, erschlagen am Morgen. Kennt Ihr das? Und dann schaust du ganz früh aus dem Fenster. Der Wind treibt dunkelblaue Wolken über die bewaldeten Höhen rund um Peggau. Was wird das wohl für ein Tag werden? Ein neuer und ungewisser.

    Ich bleibe noch einen Moment liegen. Zwischen Resten der Nacht und dem, was kommt. Noch umgibt mich Müdigkeit, ein leiser Widerstand. Und doch zieht etwas nach draußen. Ist es die Peggauer Wand? Das Naturschutzgebiet, in dem Wanderfalken, Fledermäuse und Uhus leben? Kletterer und Naturschützer liegen hier öfter mal im Clinch. Streit ist für mich heute früh kein Lockvogel.

    Gewiss kein Traum

    Für mich sind es heute früh die kühle Luft, die Bewegung der Wolken, dieses erste, noch ungeordnete Licht, die mich nach draußen locken. Und eine gewisse Ungewissheit, die nicht lähmt. Weil sie offen ist. Ich raffe mich auf. Schuhe, Jacke, ein erster Schritt vor die Tür. Die Luft ist kühl, klar, fast scharf. Jeder Atemzug holt mich zurück. Weg von den Träumen, hinein in den Morgen.

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  • Allein unter Männern

    Allein unter Männern

    Lange war der Beruf des Bergführens eine rein männliche Domäne. Seit Ende der 1980er Jahre aber tut sich was. 1988 besteht Christine Welzl ihre Prüfung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin. Die Tirolerin ist eine Pionierin. Ein Gespräch über den Mut, alte Rollenbilder aufzubrechen.

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    Christine Welz und ich sind verabredet. Sie steht vor ihrem Auto in Imst am Bahnhof. Eine herzliche Begrüßung und dann fahren wir ins Büro der ÖAV-Sektion in der Tiroler Stadt. Es ist sommerlich warm, die Rollläden sind heruntergefahren. „Magst du etwas trinken?“, fragt Christine. Ich nicke dankbar.

    Ihr Handy klingelt. Sie entschuldigt sich. „Wir planen am Wochenende eine Tour. Sorry.“ Kein Problem. Dann nimmt sie Platz und sitzt mir gegenüber. Ruhig, konzentriert, mit einem Blick, der eher beobachtet als erzählt. Aber lächelnd. Draußen die Imster Berge. Blauer Himmel, kaum Wolken, Wärme und Gipfel. Christine kennt solche Wetterlagen. Als studierte Lehrerin für Geografie und Sport, vor allem aber als Bergsteigerin, Kletterin, Skitouren-geherin und Bergretterin.

    „Ich bin hier geblieben“

    Welzl hat vor 38 Jahren etwas geschafft, was es bis dahin nicht gab. Die Alpinistin schließt ihre Ausbildung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin ab. Damals gemeinsam mit Helene Steiner. Beide Frauen sind Pionierinnen. In Österreich und im gesamten Alpenraum. „Helene ist nach Kanada gegangen, ich bin hier geblieben und bis heute viel unterwegs.“

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  • Auf alle Fälle

    Auf alle Fälle

    Fünf Wasserfälle. Fünf Fallstudien. Vom heilsamen Mikroklima in Partschins bis hin zum Königsbachfall in Bayern. Alle zeigen, wie fragil diese Urkraft der Natur ist. Auf der Spur des fallenden Wassers und der Energie des Lebens.

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    Wasserfälle sind mehr als nur herabstürzendes H2O. Sie sind Bewegung und Moment des Wandels. Seit jeher stehen die Kaskaden für Reinigung, für Neubeginn, für Kraft und sich im Fluss des Lebens fallen zu lassen.

    Wenn Wasser in die Tiefe rauscht, höre ich Energie. Tosend, unaufhaltsam und zerstäubend – immer lebendig. Für mich sind Wasserfälle Orte, an denen die unablässige Bewegung Demut einflößt. Orte, an denen ich tief atmen kann.

    Aus der Höhe in die Tiefe

    Wasserfälle zeigen symbolisch etwas, das im Alltag oft verloren geht: den Moment des Loslassens, des freien Falls. Alles wollen wir kontrollieren, festhalten, bestimmen, lenken. Es existieren aber Strömungen, gegen die wir nicht ankommen. Mit ihnen vielleicht.

    Die Energie des Miteinanders können und sollten wir nutzen. Denn: Verschwinden wird diese Urkraft nie. Zum Glück. Wie viele Wasserfälle es im deutschsprachigen Raum gibt, lässt sich kaum exakt beziffern – es sind Tausende.

    Aber das passt. Wasserfälle entziehen sich einer exakten Vermessung. Weil Wetter und Niederschlagsmengen höchst unterschiedlich daherkommen. Hier stelle ich fünf Wasserfälle vor, die ich besucht habe. Fünf Orte, die mich daran erinnern, dass Erholung kein Luxus ist – sondern Voraussetzung für ein lebenswertes Leben. Mal prickelnd und erfrischend. Mal Furcht einflößend und ungezähmt. Aber immer zumindest feucht. Mit allen Höhen und Tiefen. Von Südtirol bis Südbayern.

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